ORF-Stiftungsrat: Geschäftsführung legt positive Jahresbilanz vor. 11,4 Millionen Euro Gewinn (EGT) im Jahr 2011 konnten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und der Kaufmännische Direktor Richard Grasl ihrem Aufsichtsgremium, dem ORF-Stiftungsrat, am Donnerstag präsentieren.

Erstellt am 01. März 2012 (19:10)
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Die ORF-Mutter war im Vorjahr laut vorläufiger Jahresbilanz einmal mehr in den schwarzen Zahlen und bilanzierte mit 6,4 Mio. Euro im Plus. Der Personalaufwand wurde seit 2009 um 40 Millionen Euro gesenkt, hieß es - heuer sollen 15 Millionen dazukommen.

Der ORF stehe sowohl wirtschaftlich wie programmlich als auch technologisch besser da denn je, so Wrabetz in einer ORF-Aussendung. "Das Jahresergebnis zeigt, dass der ORF gut gerüstet ist, um auch die schwierigen kommenden Jahre positiv zu bewältigen", so Grasl. Dennoch müsse das Unternehmen aufgrund der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen und der großen Herausforderungen der nächsten Jahre schon in den kommenden Wochen weitere Konsolidierungsmaßnahmen beraten und einleiten.

In das Jahresergebnis 2011 sind bereits die notwendigen Sanierungsmaßnahmen inkludiert, im Zuge derer ein großer Teil des ORF-Zentrums noch heuer instand gesetzt werden muss. Dafür wurden 14 Mio. Euro in der Bilanz rückgestellt. Positiv beigetragen hat offenbar der Werbemarkt. So hat im Vorjahr der ORF erstmals seit 2006 in der Werbung wieder mehr verdient als im Jahr zuvor. Die TV-Werbung hat 2011 um 1,3 Prozent zugelegt. Auch die Gebühreneinnahmen sind leicht gewachsen.

Für das heurige Jahr ist im ORF allerdings wieder Sparen angesagt. Verschärft wird die Situation durch schlechte Prognosen bei den Werbeeinnahmen. Laut Grasl sei der ORF im Jänner und Februar puncto Werbung sieben Prozent unter Plan gelegen. Hält dieser Trend an, beläuft sich das Minus gegenüber dem Finanzplan auf 16,5 Mio. Euro. "Der ORF steht auf der Kostenseite vor sehr großen Herausforderungen", resümierte Wrabetz. Kurzfristig will der ORF dem voraussichtlichen Defizit mit Nichtnachbesetzungen, Umschichtungen im TV-Programm sowie der Sperre von Reserven in einzelnen Budgets entgegenwirken. Neue Regelungen will die ORF-Geschäftsführung außerdem bei den Kollektivverträgen. Entsprechende Gespräche mit dem Betriebsrat sollen in den kommenden Wochen aufgenommen werden, so Wrabetz und Grasl.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt bei der Sitzung am Donnerstag waren Corporate Gouvernance Regeln - nicht nur für den Stiftungsrat, sondern auch für das Unternehmen selbst. Für Unmut hätten zuletzt laut Wrabetz diverse rufschädigende öffentliche Wortmeldungen von ORF-Mitarbeitern gesorgt. "Wir wurden vom Stiftungsrat aufgefordert, härter gegen Verleumdungen aus dem eigenen Haus vorzugehen", so der ORF-Chef. Das hieße nicht, dass konstruktive Kritik nicht erlaubt sei, erklärte Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp, allerdings müsse die permanente Diffamierung des Unternehmens und seiner Gremien gestoppt werden. Hinsichtlich der Verhaltensregeln für die Stiftungsräte plädiert das Gremium laut Kulovits für eine zweijährige Cool-off-Phase zwischen der Stiftungsratsmitgliedschaft und einem Wechsel in ORF-Führungspositionen.

Hinsichtlich der RTR-Studie, die am Dienstag veröffentlicht worden war und ORF eins Unterhaltungslastigkeit attestiert hatte, betonte Wrabetz, er habe Rückendeckung durch den Stiftungsrat bekommen. Es sei inakzeptabel von der RTR, die vom ORF mit 2,6 Millionen Euro unterstützt werde, ohne Auftrag ein solches "Scheingutachten" zu erstellen. Grundsätzlich sei der ORF vom Stiftungsrat angehalten worden, künftig eigene Positionen in den eigenen Medien entsprechend darzustellen.

Ein umfangreicher - nämlich vierstündiger - Punkt auf der Tagesordnung der Stiftungsräte war das Programm. Hier hatte ORF-TV-Direktorin Kathrin Zechner ihren ersten großen Auftritt. Details zu Programmplänen gibt es aber nach wie vor nicht. Bis Juni soll Zechner, so Kulovits, ein neues Programmschema erarbeiten, das voraussichtlich in der Sitzung Ende Juni im Gremium beschlossen wird. Ab Herbst sollen die Programmneuerungen dann sichtbar sein.

Das Thema Standort soll eventuell in der kommenden Stiftungsratssitzung am 10. Mai, spätestens aber im Juni zum Beschluss kommen. Bis Ende März soll die Geschäftsführung den Gremiumsmitgliedern ein Technik- und Finanzierungskonzept sowie einen begründeten Standortvorschlag vorlegen, wie die Stiftungsräte am Donnerstag beschlossen haben.

Was jene freien Mitarbeiter angeht, die derzeit öffentlich gegen ihrer Meinung nach prekäre Arbeitsverhältnisse vorgehen, sieht Wrabetz derzeit einen "nur geringen Bewegungsspielraum", die Gespräche sollen aber fortgesetzt werden. Allerdings appellierte der ORF-Generaldirektor auch hier an die Mitarbeiter, die Diskussion intern zu führen und die öffentliche Polemik einzustellen. Betroffen sind laut ORF 60 Mitarbeiter im Hörfunk, die zwischen 10.000 und 25.000 Euro im Jahr verdienen.