Oscar-reife Leistung. Academy Awards / Nach zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt Michael Hanekes Drama Amour nun auch den Auslands-Oscar. Die NÖN sprach mit den Produzenten des Erfolgsfilms.

Erstellt am 03. März 2013 (16:36)
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Von Gerti Süss

„And the Oscar goes to ... Amour, Austria, Michael Haneke“. Dieser Moment war nur die Krönung einer monatelangen Erfolgsserie, die dieser Film dem aus Niederösterreich stammenden Regisseur Michael Haneke einbrachte.

Das Sterbedrama erhielt den begehrten Academy Award als bester fremdsprachiger Film. Allerdings war Amour auch noch in den vier Königsdisziplinen des Oscars nominiert: Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Emmanuelle Riva) und Bestes Originaldrehbuch. „Das hat es bei einem nicht-amerikanischen Film überhaupt noch nicht gegeben“, weiß Veit Heiduschka, der Geschäftsführer der WEGA-Film, die den Film mitproduziert hat.

Seit über 25 Jahren arbeitet Heiduschka mit Haneke zusammen. „Ich habe ihn sogar entdeckt“, erzählt er stolz. Bis Haneke im Jahr 1987 mit einem Drehbuch zur WEGA-Film kam, war er nämlich nur fürs Fernsehen tätig. „Für mich war bereits sein erster Film ,Der siebte Kontinent‘ eine ganz starke Geschichte“, erzählt Heiduschka, der, so wie Haneke, in den ersten Tagen nach der Oscar-Verleihung kaum geschlafen hat.

Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit produzierte Heiduschka fast alle Haneke-Filme. „Die Budgets, die seine Filme mittlerweile benötigen, könnten wir alleine nicht mehr aufstellen. Die Zusammenarbeit mit deutschen und österreichischen Partnern hat sich aber bewährt.“

Bewährt hat sich seit Hanekes erstem Film auch die Zusammenarbeit mit Michael Katz, einem ausführenden Produzenten bei der WEGA-Film. Er gilt heute als eine der engsten Vertrauenspersonen Hanekes. „Mittlerweile ist unsere Arbeit etwas sehr Persönliches geworden. Er hat auch öffentlich gesagt, dass er keinen Film mehr machen möchte, bei dem ich nicht dabei bin“, erzählt der gebürtige Kärntner, der heute in Tulbing (Bezirk Tulln) lebt. Die Zeit, die er mit Haneke am Set verbringt, bezeichnet er als herausfordernd und schön. Und er ist überzeugt: „Ich habe Haneke zum richtigen Zeitpunkt kennen gelernt. Sonst wäre ich wahrscheinlich nur ein durchschnittlicher Produzent geworden.“ Das Beste an Haneke sei nämlich, dass er alles immer wieder hinterfrage. „Man wird dabei zu einem anders denkenden Menschen“, erzählt Katz.

Dass der Oscar den Erfolgsregisseur aus Katzelsdorf nun noch mehr unter Druck setzt, glauben die Produzenten nicht. Denn sie wissen: Den Druck macht sich Haneke ganz von selbst. Und daran wird sich sicher nichts ändern.

APA/ Schlager