St. Pölten

Erstellt am 02. November 2018, 19:58

von Michaela Fleck-Regenfelder

Prügel, Komplimente und andere Bosheiten. Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn, Musik-Komödianten aus Berlin, spielen diese Woche in St. Pölten. Und sprachen davor mit der NÖN über Lachmuskeln, Satiriker, Bühnencharaktere und Musicalprojekte.

Thomas Nitz

NÖN: Am 8. November sind Sie in der St. Pöltner Bühne im Hof zu Gast. Was gibt’s denn da zu sehen?  Und zu hören? Und gibt’s auch was zu lachen?

Pigor & Eichhorn: Zu sehen und zu hören: brandneue Chansons zu zeitlosen und aktuellen Themen. Dargeboten von einem Virtuosen der Sprache und einem Pianisten, der sowohl am Klavier wie als sonniges Gemüt brilliert. Sorry, aber die Lachmuskeln werden strapaziert!

Reinhardt Winfried, WINFRIEDREINHARDT

Ihr neuntes Duo hat keinen hochtrabenden Namen. Dafür eine Nummer. Und klingt damit mehr nach Album als nach Programm. Wieviel Ton braucht denn Ihr „Volumen 9“? Wieviel Text verträgt es? Und wie wird aus einem Sänger eigentlich ein Komiker?

Wir blicken auf 23 Jahre gemeinsamer Produktivität zurück. Diese über 150 gemeinsam geschriebenen Chansons müssen ja in Einheiten geordnet werden, das sind unsere Volumina, die haben wir durchnummeriert und jeweils zwei bis fünf Jahre gespielt. Jedes einzelne Programm oder Volumen hat seine Hits, seine hintergründigen Songs, seine Balladen, seine Conférencen, seine Absurditäten. Ob als Komiker, als Rapper, als beobachtender Chronist oder Ankläger – Pigor ist immer der Satiriker.

Kitty Kleistheinrich

Bei Ihnen geht’s ja nicht nur musikalisch mitunter heftig zu, auf der Bühne. Sondern auch (zwischen-)menschlich. Müssen Sie, Herr Eichhorn, noch immer „nur“ begleiten? Dürfen Sie, Herr Pigor, noch immer „nur“ solieren? Und was wäre denn eine Stimme ohne Bett oder ohne Teppich, also in Ihrem Fall: ohne Klavier?

Nun, zum einen sind wir subtiler geworden. In Volumen 1 wurde sich noch geprügelt, mittlerweile sind es in Komplimente verpackte Bosheiten. Harmonie im Leben ist schön – auf der Bühne aber langweilig. Ich würde sagen: Da haben sich zwei komplementäre Bühnencharaktere gefunden!

Sie waren (und sind) aber nicht nur zu zweit, auf der Bühne. Sondern auch mal im Quartett, mit Rockband, mit Tuba und Drums oder mit ein paar Damen und ihren Stimmen. Macht es das einfacher? Macht es das schwieriger? Und woll(t)en Sie nicht auch mal mit Orchester spielen?

Dieselbe Komposition klingt und wirkt ja mit Klavier solo anders als mit Rockband oder Jazzcombo, außerdem sind diese Musiker und Sängerinnen ja immer auch inspirierend, musikalisch und menschlich. Mal schauen, was uns als nächstes einfällt! Im Dezember machen wir auf jeden Fall ein Weihnachtskonzert mit dem WDR-Orchester.

Den österreichischen Kabarettpreis haben Sie schon, den deutschen Kleinkunstpreis auch. Und ein paar Pfannen und Löwenzähne und, erst heuer, einen Salzburger Stier auch noch. Was kommt als nächstes? Und was wollen Sie unbedingt noch verwirklichen? Auf der Bühne? Am Mikrofon? An den Tasten? Oder ganz woanders?

Pigor hat für das Theater am Gärtnerplatz in München den Roman „3 Männer im Schnee“ von Erich Kästner dramatisiert und mit verschiedenen Komponisten (unter anderem dem Eichhorn) komponiert. Eichhorn sitzt ebenfalls an zwei Bühnenstücken. Solche Musicalprojekte sind spannend und für ein richtig großes Publikum gedacht. Unser Markenkern (um diesen modernen Begriff mal zu benutzen) ist aber immer noch das deutschsprachige satirische Chanson. Das können wir. Und dafür liebt uns unser Publikum.

Kitty Kleistheinrich

www.buehneimhof.at