Polster wird Fünfzig: "Ich war immer authentisch". Mit 44 Treffern ist Anton "Toni" Polster Rekordtorschütze des Fußball-Nationalteams - und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Vor seinem 50er, den die Stürmer-Legende am Montag feiert, hat ihn das freilich nicht gerettet.

Erstellt am 06. März 2014 (13:26)

"Es geht viel zu schnell", sagt der Mann, der es während und nach seiner aktiven Karriere immer wieder verstand, zu polarisieren.

Umtriebig und auf allen Bühnen zu Hause

Toni hier, Toni da. Polster als Austria-Manager, Polster als Dancing Star, Polster als Trainer in der dritten Liga, Polster als Charity-Star, Polster als Sänger, Polster als Trainer in der Bundesliga, Polster als Trainer in der dritten Liga, Polster als Designer von Polo-Shirts und Hemden, Polster als Zeitungs-Kolumnist.

"I geh' immer weiter, bleib niemals stehn, a jede Veränderung is für mi schen", singt Polster in seiner 2006 veröffentlichten Single "Toni Walk On". Auch wenn er sich bei seinen musikalischen Ausflügen "unter Wert geschlagen" fühlt, ist er diesem Motto bis heute treu geblieben. Die Mutationen des einstigen Stürmerstars sind unzählig, stets beachtet und manchmal schillernd, teilweise aber auch von herben Niederlagen begleitet.

"Ich will den Namen Stronach eigentlich nicht mehr hören"

2005 übernahm er von Mönchengladbach kommend bei seinem Herzensclub Austria Wien den Posten des General-Managers - doch das Projekt mitten in der Hochblüte der Magna-Ära scheiterte. Nach gut fünf Monaten war Polster wieder Geschichte, in den arbeitsrechtlichen Nachwehen verhängte der Verein, mit dem er von 1984 bis 1986 dreimal die Meisterschaft gewann, zeitweise gar ein Hausverbot über ihn. "Ich will den Namen Stronach eigentlich nicht mehr hören", sagt Polster heute über den Magna-Boss.

Zuletzt machte im Herbst 2013 sein gescheitertes Engagement bei Admira Wacker Schlagzeilen: Der erste Job als Bundesligatrainer ging schon nach drei Spielen und ebenso vielen Niederlagen zu Ende. Inzwischen arbeitet Polster wieder bei der drittklassigen Wiener Viktoria, mit der er zuvor zweimal aufgestiegen war.

Das Oberhaus juckt ihn nur mehr bedingt: "Das wäre schon ein Ziel, aber es ist nicht so, dass ich schlaflose Nächte habe." Fußballlehrer zu sein, bleibe aber sein oberstes Ziel, behauptet der Mann, der bei den LASK Juniors 2010 zum ersten Mal als Trainer gewerkt hatte. "Solange ich Spaß habe, mache ich das. Und wenn man bei minus 15 Grad am Platz steht, muss man wohl Spaß haben."

Nationalteam-Auftritte polarisierten: "Oasch oder Held"

Dem Stürmer Polster wäre der Spaß manchmal freilich fast vergangen. Ein guter Kopfballspieler, gefährlicher Freistoß- und auch sicherer Elfmeterschütze, im Strafraum präsent und effizient, immer wieder aber auch etwas ungelenk wirkend - so polarisierten seine Auftritte gerade im Nationalteam die Fans. Selbst von Pfiffen blieb der als phlegmatisch verschrieene Stürmer nicht verschont.

"Entweder Oasch oder Held", beschrieb er einst im "Spiegel" sein Verhältnis zum Anhang. Erst 1989 versöhnte er mit seinen drei Toren beim entscheidenden WM-Quali-Spiel gegen die DDR die Kritiker und erlebte als ÖFB-Kapitän bei den WM-Endrunden 1990 und 1998 zwei seiner sportlichen Sternstunden.

Verspäteter "Goldener Schuh" nach rumänischer Manipulation

Dazu zählt auch der Gewinn der Goldenen Schuhs, der freilich erst mit geraumer Verspätung feststand. 1987 belegte er trotz seiner 39 Treffer nur Rang zwei, weil der Rumäne Rodion Camataru in den letzten sechs Spielen mit Dinamo Bukarest 21 Tore erzielte und Polster den sicher geglaubten Titel noch entriss.

Anfang 1990 wurde sein Manipulationsverdacht ("Der Erfolg von Camataru ist sicher im Staatsinteresse angeordnet worden") nach den politischen Umwälzungen in Rumänien dann offiziell bestätigt, und Polster erhielt im Nachhinein doch noch die Trophäe.

Seine ballesterischen Herrenjahre verbrachte das violette Urgestein ab 1987 erst in Italien und Spanien (FC Torino, FC Sevilla, CD Logrones, Rayo Vallecano), ausklingen ließ er seine aktive Karriere bis 2000 schließlich beim 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach und Austria Salzburg.

Mit Wiener Schmäh in Deutschland-Jahren gepunktet

In Deutschland kam der Wiener Schmäh von Toni "Doppelpack" besonders gut an, da bewies er mit Sangeseinlagen ("Die Fabulösen Thekenschlampen") bereits auch seine Seitenblicke-Tauglichkeit - und stellt diese bis zum heutigen Tage in der Heimat immer wieder unter Beweis.

Was andere über ihn denken, lässt den Vater eines Sohnes (Anton Jesus, geboren 1990) und einer Tochter (Lisa-Maria, 1993) eher kalt. "Ich werde meinen Weg weitergehen und mich für keine Kohle dieser Welt ändern lassen", meint er. Und auch wenn er nicht immer "unschuldig" gewesen sei, so könne man ihm eines nicht nehmen: "Ich war immer authentisch."

Authentizität, die vielleicht im Favoriten der Sechziger und Siebziger wurzelt. So wie die Eltern. Denen widmet Polster auch seinen Geburtstagswunsch. "Dass die Mama, der es nicht gut gegangen ist, wieder zunimmt und der Papa den Rollator weggeben kann."