Problem „Erste Hilfe“. Erste Hilfe für Lenker / Aus Angst, etwas falsch zu machen, bleiben viele Autofahrer nicht stehen. Experten wollen regelmäßige Kurse.

Erstellt am 01. April 2013 (17:25)
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Von Madeleine Kopitschek

Mittels „Pisa First Aid“-Test wurde das Erste-Hilfe-Wissen von Autolenkern in 14 Ländern Europas abgefragt. Österreich kam nicht mit dem besten Ergebnis davon und belegte Platz neun: Es trauen sich zwar 80 Prozent der Lenker zu, im Ernstfall Erste Hilfe zu leisten, doch nur jeder Siebente weiß wirklich, was bei Unfällen zu tun ist.

„Das größte Hindernis, um zu helfen, stellt immer noch die Angst dar, etwas falsch zu machen“, sagt der Hollabrunner Bezirkspolizeikommandant Otto Schwingenschlögl. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass es zu einer Klage kommen könnte, wenn man etwas falsch macht. Markus Dittrich, Notarzt in Wiener Neustadt, räumt mit diesem Gerücht auf: „In Österreich kann man deswegen keine Schwierigkeiten bekommen. Sehr wohl aber wegen unterlassener Hilfeleistung.“

Die NÖN fragte auch ihre Leser, ob sie denn Erste Hilfe leisten könnten. Viele der Befragten waren sich sicher, dass sie wüssten, was im Ernstfall zu tun sei. Bei der NÖN-Online-Umfrage gab es schon mehr Zweifel: 46,6 Prozent glauben nicht, im Notfall Erste Hilfe leisten zu können.

Dabei ist es einfach wichtig, etwas zu tun. „Sobald man sich um einen Verunfallten kümmert, hilft man bereits“, ermutigt Gerhard Brückner, Ausbildungsleiter des Roten Kreuzes Hollabrunn. „Wir beim Roten Kreuz vertreten die Philosophie, dass es keine falsche Hilfe gibt.“

„Die Reaktion der Autofahrer bei Unfällen ist teilweise wirklich gut. Andere wählen nur den Notruf und trauen sich nicht zu helfen. Es kommt hier der Stressfaktor dazu“, vermutet der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Josef Nestreba aus Ziersdorf.

„Wie viel Prozent wirklich Erste Hilfe beherrschen, lässt sich schwer sagen. Das geht von perfekt bis gar nichts machen. Was das Interesse an Erste-Hilfe-Kursen betrifft, gibt es allerdings Nachholbedarf“, sagt Markus Hobinger, Bezirksstellen-Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Gmünd.

Aus diesem Grund fordern viele Experten mehr verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse, vor allem sollte es zwischendurch Auffrischungen geben. Aus Eigeninteresse wird selten ein Kurs belegt, weiß Martin Stei  nacher von der Bezirksstelle Lilienfeld des Roten Kreuzes: „Oft bleibt es beim guten Willen, außer man muss es für den Führerschein, den Betrieb oder die Feuerwehr machen.“

DIE NÖN-ONLINE-UMFRAGE