Frische Luft und frische Kunst. Über 700 Kunstobjekte gibt es in Niederösterreichs öffentlichem Raum. Outdoor-Ausstellungen sind sie nicht.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:54)
Die Wachauer Nase der Künstlergruppe Gelatin ziert seit 2014 das Donaufufer in St. Lorenz.
Lisa Rastl, Lisa Rastl

Vier Meter hoch, ragt sie seit 2014 am Südufer der Donau auf dem Gemeindegebiet von Rossatz (Bezirk Krems-Land) aus dem Boden: eine gigantische Nase mit begehbaren Nasenlöchern.

Die „Wachauer Nase“ ist eines von rund 400 permanenten Kunstobjekten im öffentlichen Raum Niederösterreichs. Rund 300 weitere Objekte findet man temporär in der Region. Assoziationen zu Kunst im öffentlichen Raum gibt es viele: von Kreisverkehrsgestaltung über Street Art, Skulpturen und Wandmalereien bis hin zu Sitzplatzgestaltungen.

Eines ist dabei entscheidend: „Kunst im öffentlichen Raum bedeutet, dass Künstlerinnen und Künstler sich aktiv mit einem spezifischen Ort und seinen Gegebenheiten auseinandersetzen“, sagt Katrina Petter, Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich in der Kulturabteilung des Landes. „Der öffentliche Raum ist dabei nicht einfach ein Ausstellungsort, der von innen nach außen verlegt wird.“ Die Auseinandersetzung mit spezifischen Orten passiert dabei historisch (etwa bei „semmering“ ab 25. Juli), gesellschaftlich, regional oder rein gestalterisch.

„Kunst ist keine Dienstleistung.“ Katrina Petter, Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich

„Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich“ ist Vermittlerin zwischen Kunstschaffenden, der Öffentlichkeit sowie Gemeinden, Vereinen und Institutionen. Die Anfragen für Kunstprojekte kommen meist von den drei letzteren, und zwar als Mittel zur Erinnerung, für den Tourismus, zur Identitätsstiftung, Gestaltung und mehr. Aber: „Kunst ist keine Dienstleistung. Künstler und Künstlerinnen sehen eine Region aus einer anderen Perspektive, einer, die vielleicht nicht dem Bild entspricht, das eine Region standardmäßig von sich transportieren möchte. Sie erweitern deren Selbstbild und den Blick auf den öffentlichen Raum“, so Petter zum Wert der Kunst.

In Perchtoldsdorf hat Nilbar Güres den Wehrturm erst vergangene Woche durch Airbags zum Atmen gebracht.
Lisa Rastl

Die meisten Arbeiten sind im Besitz der Gemeinden und Institutionen. Ein besonderes Projekt ist für Petter der Kunstraum Weikendorf (Bezirk Gänserndorf), ein aufgelassenes, restauriertes Feuerwehrhäuschen im Gemeindezentrum. Er ist seit zehn Jahren rund um die Uhr einsehbar und wird zweimal jährlich durch Installationen von verschiedenen Kunstschaffenden bespielt, momentan von Hannes Gröblacher mit der Ausstellung „Opportunity“.

Anders als im Museum muss sich Kunst im öffentlichen Raum vielen Herausforderungen stellen. Sie muss sicher sein, haltbar gegenüber der Witterung, und sie muss Baubewilligungen haben. Viele Arbeiten sind schon älter, und das sieht man ihnen an. Denn Public Art unterliegt ständigem Wandel. Teile müssen abgebaut oder ausgetauscht werden – immer in Rücksprache mit den Kunstschaffenden.

Auch die Umgebung verändert sich. Rund um das Mahnmal für die verloren gegangene Artenvielfalt (1997-1999) – eine Skulptur in Paasdorf von Ingeborg Strobl – stehen jetzt Windräder, der Radtourismus ist erstarkt. Trotz ihrer Öffentlichkeit sei es herausfordernd, die Kunst an die Leute zu bringen, so Petter. Lange gab es auf den Tafeln vor Ort kaum Information. QR-Codes sollen das ändern.

www.publicart.at