Große & kleine Helden. Ritter & Reiter, Könige & Kater, Dämonen & Detektive, Schweinchen & Geißlein – sie alle marschieren am Dienstag in Mistelbach ein. Und „spielen“ fünf Tage lang die Helden.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 20. Oktober 2014 (05:26)
Der Dämon und sein Spieler, Christoph Bochdansky: am 24. Oktober in Mistelbach.
NOEN, Foto: Bochdansky

Helden gibt’s viele. Ein paar davon sogar in der Popmusik. Die meisten aber im Märchen. Und sicher ebenso viele im Theater. Nur tragen die dort meist Rüstungen, schwingen Schwerter oder stehen auf (echten oder eingebildeten) Sockeln.

„Dieser Helden-Begriff war so verstaubt. Ich wollte den endlich einmal vom Sockel heben!“ Sagt Cornelia Nossek. Und hat sich für ihre heurigen Puppentheatertage einfach ihre eigenen Helden nach Mistelbach eingeladen.

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NOEN, FINGER AND THUMB THEATRE
Die kommen zwar auch aus dem Märchen, aus dem Theater, aus der Phantasie. Aber die stehen nicht auf Sockeln, die hängen an Fäden, stecken auf Stäben, die sitzen auf Händen, schweben vor Gesichtern, die zappeln mit den Fingern und klappen mit dem Maul. Und: Die sind aus Stoff, aus Lehm, aus Schaumstoff und aus Pappmaché. Denn: Cornelia Nosseks Helden sind Puppen (und Figuren und Objekte).

Shakespeare im Kleinformat

„Meine Liebe galt schon immer den Puppen“, sagt die Intendantin, die aus Brunn am Gebirge kommt und als diplomierte Darstellerin selbst seit 27 Jahren auf der Bühne steht. „Mit Puppen kann man auf kleinstem Raum riesige Szenerien erschaffen. Mit Puppen kann man Shakespeare im Kleinformat spielen. Und mit Puppen kann man ein großes Publikum erreichen – vom Kindergartenkind bis zum Großvater.“

All das, kleine Puppen, große Szenen und ein Publikum von 2 bis 99 gibt es in Mistelbach schon seit 35 Jahren (weltweit ist nur ein Puppentheaterfestival älter). Und für all das „brauchen wir nicht nur einen Abend, da brauchen wir schon eine vollgepackte Woche!“

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NOEN, Bruno Weiss Nuernberg

Vom Straßentheater bis zur Materialschlacht

Die bringt im 36. Jahr 90 Vorstellungen („da haben wir ein bisschen abgespeckt“), 42 Inszenierungen und 26 Spieler bzw. Gruppen aus zwölf Ländern. Eine davon, im Rahmen der „Kas-perliade“ am Sonntag („Da gibt’s heuer vom Straßentheater bis zur Materialschlacht alles“), aus der Ukraine. Und drei davon aus Niederösterreich: das Pressbaumer Theater Trittbrettl mit „Don Quijote“, Cornelia Nossek mit „Die Schöne und das Biest“ und Christoph Bochdansky mit „Der Dämon“.

Letzterer, einer der renommiertesten Puppenspieler und -macher, bringt heuer aus seinem Ziersdorfer Atelier noch mehr Puppen ins Mistelbacher Barockschlössl mit – zur ersten Puppentheaterschau. Motto: „helden(spiel)platz“.

www.puppentheatertage.at