Wo die Puppen schwärmen. Hexen, Wölfe und andere „Nachtschwärmer“ tanzen seit Mittwoch in Mistelbach.

Von Michaela Fleck. Update am 16. Oktober 2020 (08:18)
Der Harlekin an Fäden gehört zum Hohenloher Figurentheater aus dem deutschen Herschbach.
Hohenloher Figurentheater

Puppen gibt’s viele. Handpuppen und Kniepuppen, Sockenpuppen und Fingerpuppen, Ballonpuppen und Gliederpuppen. Und Klappmaulpuppen (das sind die vorlauten, mit denen Nikolaus Habjan oder Manuela Linshalm spielen) gibt es auch.

Die mögen nicht nur Märchen. Die mögen auch die Nacht. Also hat man in Mistelbach heuer – neben den Gebrüdern Grimm – auch andere „Nachtschwärmer“ eingeladen. Und eröffnete mit ihnen am Mittwoch die 42. Ausgabe der Internationalen Puppentheatertage.

„Dieser Herbst wird uns ein wenig erleuchten.“ Cordula Nossek, Puppen-Spielerin und Festival-Intendantin, über das„nächtliche“ Motto der42. Puppentheatertage

„Wir werden uns“, meint Cordula Nossek, die heuer schon ihr neuntes Festival programmiert hat, „in nächtliche Gefilde begeben und Geheimnisse lüften.“ Denn: Die verborgenen Schätze, die offenbaren sich, so Nossek, nur „im Schutze der Dunkelheit“ – und wollen vom Scheinwerferlicht „beleuchtet werden“.

Goldoni an Marionettenfäden: „Der Diener zweier Herren“ ist am 17. Oktober im Mistelbacher Stadtsaal zu sehen.
Hohenloher Figurentheater

Wer da fünf Tage und 26 Vorstellungen lang im Scheinwerferlicht steht? Eine Hexe, die Schokoladenbonbons mag und gern um 6 aufsteht. Hans, der das Glück sucht und zwei Engel findet. Der kleine Häwelmann, der mit seinem Bettchen zum Mond fliegt.

Peter, der den Wolf sucht und Beethoven – und natürlich Prokofieff – trifft. Ein alter Mann, der nicht einschlafen kann. Eine junge Prinzessin, die schlecht träumt.

Ein junger Vampir, der Freunde sucht. Ein Bär, der Gespenster jagt. Ein Kasperl, der zwei Herren dient. Oder ein Zauberlehrling, der Herrn Goethe entstaubt. Und Wölfe (und Geißlein) und Tauben und Füchse und Sachen, „die machen“, stehen auch noch auf der Gästeliste, in Mistelbach.

14 Theatergruppen – heuer coronabedingt nicht aus ganz Europa, sondern nur aus Österreich und Deutschland – stehen hinter, stecken in und spielen mit den zugehörigen Puppen. Die insgesamt 19 Inszenierungen reichen von Stücken für die Kleinsten (ab 2) bis zu Geschichten für Teenager (ab 16 Jahren) und natürlich für alle anderen. Gespielt wird im Mistelbacher Stadtsaal, im Atelier und im Obergeschoss des Barockschlössls.

Und wer lieber selber spielen (und vorher noch seinen oder ihren eigenen „Nachtschwärmer“ bauen) will, der oder die geht in Cordula Nosseks Workshop im Mistelbacher Actors & Puppets Studio an der hiesigen Musikschule (am 16. und 17. Oktober).

Internationale Puppentheatertage, 14. bis 18. Oktober , www.puppentheatertage.at