Qualität im Detail. Retrospektive Josef Schagerl / Das Landesmuseum in St. Pölten widmet dem aus dem Mostviertel stammenden Künstler anlässlich dessen neunzigsten Geburtstags eine große Ausstellung.

Erstellt am 26. August 2013 (07:40)
NOEN, Gerald Lechner
Von Thomas Jorda

Ich habe mich stets verpflichtet gefühlt, den mir möglichen Beitrag zur Humanisierung über und durch mein Werk zu leisten, ständig begleitet vom Gefühl der Unzulänglichkeit und immer wieder gefordert.  Josef Schagerl

Am Sonntag ist er neunzig Jahre alt geworden – und das NÖ Landesmuseum in St. Pölten nützt den Anlass, um einen ebenso so großen und wichtigen wie stillen Künstler des Landes mit einer entsprechenden Retrospektive zu würdigen.

Unter dem Titel „Poesie der Geometrie“ widmet sich Josef Schagerl eine von Hausherrn Carl Aigner sorgfältig kuratierte Ausstellung, die von 31. August bis 17. November im ersten Stock der Shedhalle zu sehen ist.

Josef Schagerl, 1923 in Peutenburg bei Scheibbs geboren, hat ein formal und thematisch überaus vielfältiges Werk geschaffen, das sich aus mehreren Wurzeln speist.

Da war einmal der Vater, der heute noch als der bedeutendste Herrgottschnitzer des Mostviertels gilt, und der dem Sohn Gefühl und Verantwortung für handwerkliche Qualität und die Bedeutung der Techniken vermittelte. Da waren Ständestaat und Nationalsozialismus, die ihn schon früh das Böse und dadurch die Bedeutung der Humanität lehrten. Und da waren Flugphantasien, die ihn seit der Jugend begleiteten und ihn auch in der Kunst emporzogen.

Gewaltige Werke hat Josef Schagerl geschaffen, aus Holz und Beton, aus Chrom-Nickel- Stahl und aus Messing. Das Schweißen hat er in Kapfenberg gelernt, geradezu manisch von frühmorgens bis spät in die Nacht bearbeitete er jede Plastik bis ins kleinste Detail. Oft waren Krieg und Gräuel Anlass für Objekte, die Zerschlagung des Prager Frühlings oder der Balkankrieg. Seine letzten großen Werke entstanden 2002, vier Meter lange Stahl-Schlangen. Dann ließen ihn die Augen im Stich.

Kurator Carl Aigner fasst die Qualität Schagerls so zusammen. „Er ist äußerst singulär. Künstlerisch äußerst avanciert, konservativ in der handwerklichen Qualität.“