Erstellt am 20. Februar 2012, 00:00

Raabs gerettet. das wertvolle Instrument und vermachte es nun der Hypo NÖ.

Josef Renz  |  NOEN

VON ANITA QUIXTNER

Lange Zeit galt sie als verschollen, doch der Wilhelmsburger Antiquitätenhändler Josef Renz hat sie vergangenes Jahr gefunden: die legendäre „Reblaus“-Zither von Julius Raab, Bundeskanzler von 1953 bis 1961. Nach aufwändigen Restaurationsarbeiten wurde das Prunkstück nun gerettet und der Öffentlichkeit präsentiert.

Strahlende Gesichter gab es zu diesem Anlass von Renz und Peter Harold, Generaldirektor der Hypo NÖ. Mit Wehmut, aber dem Wissen, dass die Zither in gute Hände kommt, weil die „Hypo-Bank ein verlässlicher Partner ist“, unterzeichnete Renz den Kaufvertrag für das wertvolle Instrument. Mit der Restauration und dem Erwerb durch die Hypo NÖ wird nun sichergestellt, dass der historische Wertgegenstand auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt. „Julius Raab war nicht nur eine bedeutende Persönlichkeit der österreichischen Geschichte, er war auch ein großer Niederösterreicher. Für uns als niederösterreichisches Traditionsunternehmen, welches fest in der Region verwurzelt ist, war es daher ein besonderes Anliegen, durch den Ankauf der berühmten Zither des Staatsvertragskanzlers, einen Beitrag zum Erhalt dieses großartigen geschichtsträchtigen Fundstücks zu leisten“, betonte Harold bei der feierlichen Übergabe.

Dem Saiteninstrument wird nachgesagt, dass es eine entscheidende Rolle bei den erfolgreichen Staatsvertragsverhandlungen von Julius Raab und Leopold Figl 1955 in Moskau gespielt haben soll. Raab spielte das Stück „Die Reblaus“ auf dieser Zither und Figl sang dazu. Im überlieferten Musikduett machten die beiden also ihren russischen Verhandlungspartnern den Staatsvertrag schmackhaft. Auf den Originalnoten finden sich sogar noch die Notizen der Russen.

Nach zig Jahren wurde die Zither nun zum ersten Mal wieder gespielt. „Prima la Musica“- Bundespreisträgerin Michaela Schaden von der Musikschule St. Pölten gab das Stück „Der Dritte Mann“ zum Besten und berührte die Gäste im Antiquitäten-Zentrum von Renz. Mit sieben Jahren hat die junge Künstlerin mit dem Zither-Spiel begonnen, mit ihrer nunmehr 17-jährigen Erfahrung auf dem Instrument war sie genau die Richtige für diese Premiere.

Zither bekommt Ehrenplatz  im „Julius-Raab-Saal“
In St. Pölten gegenüber dem Landhausviertel entsteht gerade die neue Hypo-Zentrale, welche noch heuer eröffnet wird. Dort wird es einen Julius-Raab-Saal geben, in dem für die Staatsvertrags-Zither ein prominenter Platz reserviert ist.

„Bedeutende und traditionsreiche kulturelle Güter für zukünftige Generationen zu erhalten, ist aus unserer Sicht ein Bestandteil unserer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber der Region, in der wir wirken, sowie den Menschen, die darin leben“, so Harold.

Das Musikinstrument soll aber nicht in einer Vitrine verstauben. Mindestens einmal im Jahr wird die Hypo ein Konzert veranstalten, bei dem junge Künstler die Möglichkeit bekommen, auf diesem Prunkstück ihr musikalisches Talent unter Beweis zu stellen.

So gab es an diesem Tag in Kreisbach gleich zwei Anlässe zu feiern, denn: Der charmante Kunstmäzen Renz wurde 46 Jahre jung. Harold gratulierte und Alena Koroleva, Renato Fernandes und Patricia Moura vom Europaballett St. Pölten brachten die Festlichkeit zu einem wunderschönen Ende, indem sie „Die Dorfschwalbe“ tanzten.

Seine Augen und Ohren hat Josef Renz überall offen. Und so ist er ständig auf der Jagd nach neuen Schätzen. „Warum sollte nicht einmal das berühmte Bernsteinzimmer wieder auftauchen?“, meinte Renz mit Augenzwinkern, „und es würde mich ganz besonders freuen, wenn ich es entdecken würde. Wer weiß, vielleicht wartet es in irgendeinem unscheinbaren Keller, klein zusammengestückelt, darauf, wieder zu neuer Pracht zu entstehen.“ Renz ist auch schon wieder auf einer neuen Spur, doch diese wollte der Küffer-Liebhaber und -Erhalter nicht verraten: „Der Schwammerlsucher verrät auch nicht seine Plätzchen, denn sonst kommen alle dort hin.“