Andrea Eckert: „Die Hoffnung habe ich geliebt!“. (Ex-)Prinzipalin Andrea Eckert über fünf Jahre Gutenstein, Zauberfiguren, Herzensprojekte & die Corona-Katastrophe.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:16)
Verließ nach fünf Jahren als Prinzipalin die Raimundspiele Gutenstein und plant ein neues, „längerfristiges Projekt“: Ausnahme-Schauspielerin und Badnerin Andrea Eckert. Foto: Laurent Ziegler
Laurent Ziegler

Letztes Jahr blieb es zu, das Theaterzelt, in Gutenstein. Dabei war Raimunds „Bauer als Millionär“ schon fertig geplant. Und dabei sollte Mitterers „Brüderlein Fein“ wegen großen Erfolges wieder aufgenommen werden.

Aber: Die Raimundspiele machten – coronabedingt – Pause. Und müssen fürs neue Jahr auch noch eine neue Prinzipalin suchen. Denn: Andrea Eckert hat Ende 2020 die Leitung der Raimundspiele, die sie Anfang 2016 übernommen hatte, zurückgelegt.

Ob das am Ort, am Job, an der Pandemie oder Ihrer Lebensplanung lag? „In schwierigen Zeiten“, meint die Ausnahme-Schauspielerin und gebürtige Badnerin dazu, sei es „unerlässlich, dass alle am selben Strang ziehen“.

Sie wolle sich, so Eckert im Schreiben an die Raimundgemeinde, „neu orientieren“. Wobei das ja gerade in der Kultur gerade für ganz viele gilt, und das durchaus aus existenziellen Gründen. „Corona“, stellt Andrea Eckert fest, „ist für alle eine Herausforderung. Für Menschen, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiten, ist Corona allerdings eine Katastrophe.“

„Für Menschen im Kulturbereich ist Corona eine Katastrophe.“ Andrea Eckert, Schau spielerin und Gutenstein-Prinzipalin bis Ende 2020

Vor der Katastrophe hatte die Prinzipalin nicht nur neues Publikum, sondern auch ein neues Image nach Gutenstein gebracht. „Das Aufblühen dieses Festivals gemeinsam mit den Menschen der Gemeinde zu erleben, war für mich wunderbar“, erzählt Eckert.

Sie habe, so Eckert weiter, neue Publikumsschichten für Raimund interessieren, spannende Künstlerinnen und Künstler für Gutenstein gewinnen und nicht zuletzt die Einnahmen verdoppeln können.

„Das Schönste“ sei ihr Herzensprojekt, die Uraufführung von Felix Mitterers „Brüderlein Fein“ über das Leben Ferdinand Raimunds gewesen. Und das Schlimmste? „An Schlimmes erinnere ich mich nicht.“

Uraufführung, Erfolgspremiere und „Herzensprojekt“: Laudatorin und selbst NÖN-Leopold- Preisträgerin Andrea Eckert 2019 mit NÖN-Leopold- Preisträger und „Brüderlein Fein“-Autor Felix Mitterer.
Erich Marschik

Die Prinzipalin hat im Theaterzelt aber auch gespielt, 2016 die Hoffnung im „Geisterkönig“, 2017 gleich „Alpenkönig“ und „Menschenfeind“ in einer Doppelrolle.

Sie habe während ihrer Zeit als Prinzipalin zwar „die Leitung der Spiele in den Fokus gestellt“. Aber „natürlich war es ein großes Vergnügen, mich auch als Schauspielerin dem Dichter anzunähern“, so Eckert. „Die Rolle der Hoffnung habe ich besonders geliebt. Sie hat so viel Witz, Charme und Poesie. Eine zauberhafte Raimundfigur!“

"Gute Kunst kann Erkenntnisgewinn und Selbstreflexion bewirken"

Gespielt hat die mit der Romy, der Kainz-Medaille oder dem Raimund-Ring ausgezeichnete Schauspielerin – zumindest vor und zwischen den Lockdowns – auch in Niederösterreich in kleineren Rahmen. Ob ihr die mittlerweile lieber seien als die großen Bühnen? Und was das Nicht-Spielen mit den Schauspielern, den Theater, der Kultur überhaupt macht?

„Ich“, sagt Andrea Eckert, „gehöre zu denen, die glauben, dass gute Kunst Erkenntnisgewinn und Selbstreflexion bewirken kann. Ich gehöre zu denen, die Theater, Konzerthäuser und Museen nicht als Freizeiteinrichtungen verstehen.“ Als Schauspielerin brauche sie die Bühne, „um ins Leben zu kommen“.

Was sie als Nächstes vorhat, verrät Eckert noch nicht. Nur so viel: „Mein derzeitiges Projekt ist längerfristig…“