Reichlich konstruiert: Stephen Belbers "Tape" am Landestheater NÖ. Als Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin hat am Donnerstagabend Stephen Belbers Dreipersonenstück "Tape" am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten seine Österreichische Erstaufführung erlebt.

Erstellt am 01. Februar 2013 (10:28)
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Stefan Puchers Inszenierung kann trotz obligat üppigen Videoeinsatzes die reichlich konstruierte Geschichte nicht retten. Heute, Freitag, folgt die zweite und letzte Aufführung des Gastspiels.
 
In der High School vor zehn Jahren war Vince (Felix Goeser) mit Amy (Nina Hoss) zusammen, ohne mit ihr jemals Sex gehabt zu haben. Jon (Bernd Moss) hingegen hat auf einer Party, wenn auch betrunken, mit ihr geschlafen. Vince, mittlerweile drogensüchtiges Mitglied bei der Feuerwehr, hat diese Niederlage nie verwunden. Jon dreht gesellschaftskritische Low-Budget-Filme, Amy arbeitet bei einem Staatsanwalt. Die drei ehemaligen Schulfreunde treffen sich nach Jahren in einem Motel. Aus dem Treffen wird eine Abrechnung: Vince will wissen, was damals wirklich geschah, und bezichtigt Jon, Amy vergewaltigt zu haben. 2001 wurde das Stück des 1967 in Washington geborenen US-Autors in der Regie von Richard Linklater mit Ethan Hawke, Robert Sean Leonard und Uma Thurman auch verfilmt. Drei Menschen, eine Geschichte, drei Versionen.

Das klingt nach mehr, als nach 90 Minuten eingelöst wird. Pucher lässt die Akteure sitcomartig aufeinander losreden und erzeugt damit ein ermüdendes Dialogstaccato, dem es ebenso wie der Personenzeichnung an jeglicher psychologischer und dramaturgischer Differenzierung mangelt. Weder wird der hawaiibehemdete Vince in seiner angeblichen Gewaltbereitschaft je bedrohlich, noch überzeugt der blasse Jon als potenzieller Verführer, noch erscheinen Amys unstimmige Reaktionen nachvollziehbar. Nur als das titelgebende Tonband, auf dem Vince Jons Geständnis aufgenommen hat, auf der Bühne nicht auffindbar scheint, kippt das Geschehen für einen Augenblick aus der Soap-Ebene heraus. Ein Spiel um die Relativität und Subjektivität von Wahrheit hätte es wohl sein sollen. Was es statt dessen geworden ist, bleibt ebenso unklar wie der eigentliche Sachverhalt.