„Corona hat uns sehr in die Suppe gespuckt!“. Renate Loidolt, Geschäftsführerin der Festspiele Reichenau, sprach mit Michaela Fleck über Geldlöcher, Rückzüge und großes Theater.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 12. Mai 2021 (03:41)
Renate Loidolt
Dimov

NÖN: Zwei Monate vor der ersten Premiere haben Sie vergangene Woche die Festspiele Reichenau auch für 2021 abgesagt. Warum?

Renate Loidolt: Das sagt man nicht gern und das will auch keiner hören: Es ist das Geld, und es sind die Verordnungen. Wir haben jetzt schon zu viele Karten reserviert, als wir jetzt überhaupt vergeben dürften. Und ich kann doch kein Lossystem machen. Das ist nicht Kultur!

Das heißt, es wäre sich auch finanziell nicht ausgegangen?

Loidolt: Wenn wir nur einen Platz freigelassen hätten, hätten wir 670.000 Euro Verlust gemacht. Jetzt wäre es über eine Million gewesen. Wir hätten auch Verträge und Gagen nicht zahlen können. Und wären sehenden Auges in den Konkurs geschlittert. Wir liegen ja blank!

Vier Eigenproduktionen und die „Literatur in Szene“ mit über 80 Vorstellungen hätten heuer am Festspiel-Programm gestanden, mit Stars wie Martin Schwab, Nicolaus Hagg, Mercedes Echerer oder Hermann Beil am Regiesessel. Worum ist Ihnen besonders leid?

Loidolt: Es ist schmerzhaft, und es ist enttäuschend! Und die Künstler werden auch jammern! Wir wollten großes Theater machen, selbst meine „Tante Jolesch“ wäre ein Ensemblestück mit fünf Schauspielern gewesen, wie man es noch nie gesehen hat. Und danach muss man über die Stücke reden und nicht über die Impfung… Digital interessiert mich nicht, ich mag Theater auch nicht übers Fernsehen. Ich will Theater, wie es sein soll. Und mit den jetzigen Auflagen und unseren Räumlichkeiten hätten wir ja allein für die Pause eineinhalb Stunden gebraucht!

Wie geht es mit den Festspielen nach dem nunmehr zweiten Sommer ohne Spiele weiter?

Loidolt: Es wird weitergehen, da bin ich schon zuversichtlich. Und daran sind alle interessiert. Aber mein Mann und ich werden uns nach über 30 Jahren Festspiele und fast 40 Jahren Verein aus dem operativen Bereich zurückziehen. Corona hat uns schon sehr in die Suppe gespuckt. Und ehrlich gesagt, reicht’s mir, dass wir immer die Löcher stopfen müssen. Jetzt muss alles neu aufgestellt werden.