Roland Neuwirth: Der letzte Dinosaurier. Von Verena Randolf „Ich häng’ mir einen Sterndl-spritzer an den Steiß“, erklärt Roland Neuwirth im breiten Wienerisch. „So komm’ ich in Weihnachtsstimmung!“, sagt er und lacht.

Erstellt am 13. August 2013 (12:00)
Als der Wiener seinen Schmäh noch »leiwand« und nicht »spitze« fand, gefiel das dem Wahl- Waldviertler Musiker Roland Neuwirth besser. »Jetzt stirbt der Schmäh mit dem Dialekt.« Foto: Ernst Schauer
NOEN, Ernst Schauer

Von Verena Randolf

„Ich häng’ mir einen Sterndlspritzer an den Steiß“, erklärt Roland Neuwirth im breiten Wienerisch. „So komm’ ich in Weihnachtsstimmung!“, sagt er und lacht.

Der Musiker sitzt in seinem Studio im Wiener Orpheum mit Schweißperlen auf der Stirn und vertont Weihnachts-Klassiker. Keine leichte Aufgabe bei knapp 40 Grad Außentemperatur. „Ja, ich weiß! Absolut absurd! Aber was erwartest du? Ich führ’ ein Künstlerleben, das ist halt absurd!“

„Statt Philosoph lieber Udo Jürgens des Wiener Liedes“

Außerdem soll die CD Ende Oktober in den Verkaufsregalen liegen, das heißt, gesungen werden will sie jetzt: „Es gibt vermutlich keinen Zweiten, der so viele Weihnachtslieder geschrieben hat wie ich“, witzelt der Frontmann der „Neuwirth Extrem-Schrammeln“. „An die 40 werden es wohl sein. Die Leute spielen das rauf und runter und meine letzte Weihnachts-CD hat es vor knapp 20 Jahren gegeben.“

Überhaupt hält sich der „Philosoph des Wiener Liedes“, wie er gerne genannt wird („is’ eh lieb; besser als ,Udo Jürgens des Wiener Liedes’“), mit Alben-auf-den-Markt-Werfen zurück: „In den fast 40 Jahren, die ich auf der Bühne stehe, habe ich an die 15 Alben gemacht. Das ist wenig. Wenn ich aber etwas aufnehm’, dann sind das gute Sachen mit langem Haltbarkeitsdatum.“

„Die Jungen beherrschen unseren Dialekt nicht mehr“

Echte Wienerlieder in Begleitung seiner Rockschrammeln, die er „als letzter Saurier einer Gattung, deren Tage gezählt sind“ unters Volk mischt. „Die Jungen beherrschen unseren Dialekt nicht mehr“, bedauert er. „Viele Migranten sprechen astrein Wienerisch, das sind die letzten Wiener, aber im Grunde stirbt der Dialekt aus. Wie eine seltene Tierart.“

Das Überhand-Nehmen des Bundesdeutschen ist ihm ein Dorn im Auge: „Versteh’ mich nicht falsch: Die Deutschen sollen so reden, aber bei uns stört es mich fürchterlich!“

Lieber als im heißen Wien würde Neuwirth übrigens in Raabs an der Thaya sitzen, „wo es mehr Pferde gibt als Einwohner. Da bin ich grundsätzlich lieber, aber ich bin trotzdem hauptgemeldeter Wiener“, lacht er. „Das ,W’ am Auto lass’ ich mir nicht wegnehmen!“