Die bunte Welt der Frauen im Landestheater. Zum Auftakt diesen Freitag spielt St. Pöltens Landestheater Molière – mit einer starken Frau am Regiesessel.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. September 2020 (03:36)
„Wir haben schon in der Höhle Theater gespielt, und wir werden immer Theater spielen“: Schauspielerin und Regisseurin Ruth Brauer. Molières von ihr inszenierte „Schule der Frauen“ feiert am 18. September Premiere im St. Pöltner Landestheater („das Ensemble ist ganz toll hier“).
Eva Mayer

„Küsserei“ gibt’s keine. „Berührungen“ gibt’s dagegen schon. Denn: „Molière ohne Beziehungen – das geht gar nicht!“

Sagt Ruth Brauer. Und ist gerade mitten im Endspurt für ihr jüngstes Regiedebüt. Das eröffnet dieses Wochenende auch gleich die jüngste Herbstsaison in Niederösterreichs Landestheater. Mit einem echten „Emanzipationsstück“: Molières „Schule der Frauen“.

„Der Schlüssel für all unsere Probleme ist Bildung. Das brauchen unsere Kinder jetzt!“ Ruth Brauer, Sängerin, Schauspielerin undRegisseurin

Worum es da geht? „Es geht um Bildung, es geht aber auch um Unterdrückung, und es geht um ein altes, patriarchales System“, erklärt die vielfach ausgezeichnete und immer wieder umjubelte Schauspielerin, die am St. Pöltner Rathausplatz ihre erste Premiere als Regisseurin feiert. Das „Emanzipationsstück“ hatte dagegen schon vor 358 Jahren Premiere – und ist doch so aktuell wie nie. „Dass sie wirklich über die Welt lernen, das brauchen unsere Kinder doch jetzt.“ Dazu gehöre die Bildungssitutation in vielen afrikanischen Ländern genauso wie die Flüchtlingskatastrophe im griechischen Moria („wir haben ein Haus auf Lesbos – das ist so unfassbar und so empörend!“).

Wobei: Auf der Bühne werde das Drama zur Groteske, „wie immer bei Molière“. Das sei, so Brauer, einer der vielen Wege im Theater, die Übertreibung. Sie selber sei auch „nicht die Regisseurin für Polittheater“. Aber: „Ich hab’ den Geist für Tempo, für Fantasie.“ Also werde „ihr“ Molière auch „bunt“, „laut“, „lustig“, ein „sehr poetischer“ und „sehr fantasievoller Abend“.

Spielen und Zusehen „ganz wichtig für die geistige Gesundheit"

Geprobt habe man den schon seit Juni und „tatsächlich mit Abstand“. Vielleicht, meinte Ruth Brauer zum Probenbeginn, werde man auch „die nächsten zwei Jahre tatsächlich mit Abstand spielen müssen“. Und doch sei das Spielen – und das Zusehen – „ganz wichtig, für die geistige Gesundheit“. Und für die Frauen? Brauche man ganz dringend „neue Literatur“. „Die muss her! Wir haben ganz viel alte Literatur von Männern, da gibt es dann eben nur das Gretchen oder die Ophelia.“ Es müssten aber auch „ganz tolle, ganz junge Frauen“ auch als Autorinnen kommen.

Für die Tochter von Maler Arik Brauer, Schwester von Sängerin Timna Brauer und Gattin von Musiker und Schauspieler Kyrre Kvam sei das Schreiben dagegen nichts. „Das kann ich nicht!“ Dafür findet sie die „Mischung zwischen Spielen und Inszenieren toll“. Und das „Kreieren von Projekten im Moment sogar einen Tick spannender“.

Gespielt habe sie ohnehin 30 Jahre lang „so viel, bis zur Erschöpfung“. Und spielen wird sie auch wieder, etwa in der Wiener Volksoper, wenn John Kanders Erfolgsmusical „Cabaret“ mit Ruth Brauer als umwerfendem Conférencier am 22. Oktober wieder aufgenommen wird. Und inszenieren? Wollte sie im Frühjahr 2020 noch in Baden, eine Operette von Oscar Strauß, „die liegt jetzt bei mir rum, vielleicht kommt sie 2022, wir werden sehen!“