Landestheater St. Pölten: „Wir machen Zirkus!". Im Herbst wird in St. Pöltens Landestheater gefeiert – und zwar nicht nur Geburtstag.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:28)
„Das Theater ist für uns hier ein Raum für Debatten. Und wir wollen auf der Bühne zeigen, wie die Welt sein könnte“: Landestheater-Leiterin Marie Rötzer über das Haus am St. Pöltner Rathausplatz.
NÖN / Fleck

„Es wird bunt. Es wird laut. Und gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Zirkus machen!“ Verspricht Ruth Brauer-Kvam. Und hat zwar erst am 18. September Premiere. Dafür aber die erste nach sechs Monaten.

Denn: „Wir haben als Erste zugemacht.“ Seufzt Marie Rötzer. Am 12. März hat die künstlerische Leiterin von NÖs Landestheater das Haus am St. Pöltner Rathausplatz geschlossen. „Wir sind“, so Rötzer dreieinhalb Monate später, „schon etwas traumatisiert.“ Fünf Premieren, zwei Gastspiele und 85 Repertoirevorstellungen hat man in der eigentlich bis Ende Juni laufenden Saison nicht mehr gespielt. „Da hängt auch viel Blut, Schweiß und Tränen d’ran!“

Gefeiert soll aber trotzdem werden. Am 18. September, wenn Ruth Brauer-Kvam die nächste Saison in St. Pölten eröffnet. Und dann gleich „das ganze Jahr“. Grund zum Feiern gibt’s genug. Schließlich wurde St. Pöltens früheres Stadt- und heutiges Landestheater vor genau 200 Jahren, am 26. Dezember 1820, aus der Taufe gehoben.

Gegründet wurde es von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. „Es sollte“, so Marie Rötzer, „ein Theater für alle sein.“ Das will man 200 Jahre später auch. Mit „Offenheit“, mit „Neugier“, mit Kooperation von Bozen über Brünn bis „erstmals“ Luxemburg. Mit „Regionalität“. Mit „Klassikern und Uraufführungen“. Und: mit „Frauenpower“.

Neun Regisseurinnen – und sechs Regisseure – inszenieren in der Spielzeit 2020/21 am Landestheater, Moliére und Mann, Krleža und Schiller, Nestroy und Shakespeare. Zwei davon, nämlich Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ und Miroslav Krležas „Christoph Kolumbus“, waren schon im Frühjahr „fast bis zur Premiere fertig“, so Landestheater-Dramaturgin Julia Engelmayer. Und werden jetzt im Herbst nachgeholt.

Eine davon, Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“, stand schon vor 200 Jahren, in der Gründersaison, am Spielplan des Theaters. Eine andere, William Shakespeares „Othello“, hat man schon lange vor George Floyds Ermordung geplant. Geplant sind im Herbst 2020 und Frühling 2021 auch Kinder- und Jugendproduktionen, wie Mira Lobes „Städtchen Drumherum“, Otfried Preußlers „Das kleine Gespenst“ und Guus Kuijers „Wir alle für immer zusammen“ (in der St. Pöltner Bühne im Hof). Außerdem: die Uraufführung von Teresa Doplers „Monte Rosa“, dem jüngsten Gewinnerstück des Peter-Turrini-Dramatikerstipendiums des Landes.

Und: Moliéres „Schule der Frauen“. Für die hat Schauspielerin und Regisseurin Ruth Brauer-Kvam schon eine Woche lang geprobt, mit Abstand. „Den Walzer können wir auch allein machen. Bei Moliére geht das…“

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