Erstellt am 14. April 2014, 10:00

von Thomas Jorda

Schatzkiste des Landes. Das neue Museum für Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie in Asparn an der Zaya erzählt anhand exzellenter Exponate über 40.000 Jahre Landesgeschichte.

Ein besonders fein gravierter Ring aus dem Wiener Neustädter Schatz. Foto: MAMUZ  |  NOEN, MAMUZ
Eine Frage der Ehre: Wo Niederösterreich draufsteht, da ist nur Niederösterreich drin. Und zwar ausschließlich und ausschließlich original.

Das nagelneue, in der Vorwoche eröffnete Museum für Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelarchäologie im Schloss von Asparn an der Zaya bietet die schönsten und wichtigsten Exponate aus einer 40.000-jährigen Geschichte, das Beste, was in den niederösterreichischen Depots gehortet wird und manchen darüber hinaus, was an Leihgaben zugänglich ist.

Das beginnt mit jungsteinzeitlichen Relikten wie einer Zehntausende Jahre alten Knochenflöte und weltweit einzigartigen Malereien auf Elfenbein, geht über die Venus von Falkenstein (die von Willendorf und die Fanny vom Galgenberg lässt das Naturhistorische Museum in Wien nicht aus seinen Fängen) und wichtigen Funden aus Bronze und Eisenzeit bis zum spätmittelalterlichen Schatz von Wiener Neustadt.

Vieles aus 2013 konnte wiederverwertet werden

Das Metternich’sche Schloss gehört längst dem Land, um 2,5 Millionen Euro wurde es für die Landesausstellung 2013 von Grund auf saniert und umgebaut. In den aktuellen musealen Ausbau wurden nur 600.000 Euro investiert – vieles konnte aus dem Vorjahr genützt und wiederverwertet werden.

Die innenarchitektonische Gestaltung der Schauräume ist überzeugend gelungen. Oder, wie es Geschäftsführer Matthias Pacher formuliert: „Mein Ziel war es, dass vor allem in den ersten Räumen jedes Themenabschnittes die Besucher sagen: Wow! Ah! Mmh!“

Von der inhaltlichen Ausrichtung her ist man erfreulicherweise im dritten Jahrtausend angekommen und zeigt Geschichte nicht nur in Epochen, sondern oft auch aus persönlicher Sicht. Sogar des Umstands, dass Frauen Subjekte der historischen Forschung sind, scheint man sich in Ansätzen bewusst geworden zu sein. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Museums: „Wir zeigen zum Beispiel Funde aus dem Grab einer Metallverarbeiterin, die gut viertausend Jahre alt sind – Frauen und Metallverarbeitung war bisher kaum ein Thema.“

Schatzfund von Wiener Neustadt ist Höhepunkt

Zweifellos der Höhepunkt ist der Schatzfund von Wiener Neustadt. Ein Hausbesitzer hatte ihn vor Jahren beim Buddeln im Garten gefunden und erst viel später den Wissenschaftern gezeigt. Es handelt sich um insgesamt 217 Stücke, davon 151 im Ganzen, meist aus vergoldetem Silber und wohl aus dem Ende des 14. Jahrhunderts stammend.

Ein Metallhändler dürfte den „Schatz“ nahe des Galgens vergraben haben (ein sicherer Ort in abergläubischer Zeit!), um sich Steuern und Zölle in Wiener Neustadt zu ersparen – warum er ihn nie wieder abgeholt hat, bleibt ein Rätsel. Fest steht, dass die Dinge bürgerlicher Herkunft waren und damit – wegen ihrer Seltenheit – von noch größerer Bedeutung sind.

Im nahen Museumszentrum Mistelbach – der Name MAMUZ heißt eben Mistelbach-Asparn-MUseumsZentrum – gibt’s „Giganten der Eiszeit“, von Mammut über Wollnashorn bis Säbelzahntiger. Sehr flauschig und attraktiv. www.mamuz.at