Spaziergänger. VON MICHAELA FLECK

Erstellt am 24. Oktober 2011 (00:00)
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VON MICHAELA FLECK
„Therapie gibt’s bei uns keine!“ Sagt der Regisseur. Weder für Behinderte noch für Bedürftige, weder für Verbrechensopfer noch für Strafgefangene oder Asylwerber.

Mit ihnen allen hat Manfred Michalke schon Theater gespielt. „Warten auf Godot“ zum Beispiel, „Nachtasyl“, „Don Quijote“, oder, erst im vergangenen Jahr und in der Justizanstalt Wiener Neustadt, „Leonce und Lena“.

Jetzt, genauer: in knapp zwei Wochen, feiert der Regisseur wieder Premiere. Mit einem ungewöhnlichen Stück (nämlich Nigel Williams Schul- und Gewaltparabel „Klassenfeind“). Und mit einer noch ungewöhnlicheren Besetzung. Die kommt diesmal aus der Buckligen Welt, und zwar aus dem „Marienhof“ und der „Waldheimat“, den betreuten (Wohn-)Häusern des Grünen Kreises. Der kümmert sich um Körper und Seele von Suchtpatienten. Und lässt diese heuer erstmals in professionellem Rahmen und mit öffentlicher Premiere Theater spielen.

Sechs Darsteller und  zehn Monate Proben

Sechs junge Männer zwischen 21 und 30 haben dafür zehn Monate lang in Aspang geprobt, zuerst jede Woche zweimal, zuletzt sogar dreimal. „Das war organisatorisch gar nicht so einfach“, erzählt Manfred Michalke. Auch, weil von der ersten Besetzung („Castings gibt’s keine. Die Darsteller melden sich freiwillig!“) gerade einmal zwei übrig geblieben sind. „Aber dafür erreichen sie auch eine Bühnenreife, die mit Laientheater nichts mehr zu tun hat.“

Die „unheimliche Leere“ und die „Zukunftslosigkeit“ bei Nigel Williams, die passten, so der Regisseur, auch genau ins Konzept seines „Randgruppentheaters“. „Ich erklär’ jedem immer: Das ist weder unterhaltsam noch eine Befreiungstherapie, das ist Arbeit!“ Und, auch, Therapie – „aber fürs Publikum!“

Arbeit, für die es nicht zuletzt auch öffentliche Gelder braucht. Aus NÖ habe er dazu „noch immer nichts gehört“, meint Michalke. Und hätte den „Klassenfeind“ auch gern in Baden oder auf anderen niederösterreichischen Bühnen gespielt.

Pläne hat der Regisseur jedenfalls noch viele. Für Shakespeares „Sommernachtstraum“ etwa, und das wieder mit Insassen der Justizanstalten Gerasdorf und Schwarzau. Geplanter Probenbeginn: Jänner 2012.