Große Spielwiese im Festspielhaus. Brigitte Fürle, künstlerische Leiterin des Hauses, über Dimensionen und das kommende Programm.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 09. April 2019 (01:50)
Erich Marschik
„Diese Haus wollen viele leiten“, sagt Brigitte Fürle über mögliche Konkurrenz und Nachfolge. „Es ist ein wunderschönes Haus. Man muss es nur entsprechend präsentieren.“

Fast ein Vierteljahrhundert ist das Festspielhaus St. Pölten alt, auf den 1. März 2022 fällt der runde Geburtstag.

Gar nicht so alt, möchte man meinen. Und trotzdem sanierungsbedürftig. In den kommenden beiden Sommern werden der Eingangsbereich erneuert, eine Beschallungsanlage eingerichtet und um satte zwei Millionen Euro ein elektrischer Schnürboden eingebaut.

Der sei, meint Brigitte Fürle, die künstlerische Leiterin des Hauses, dem Qualitätsanspruch geschuldet und wegen der EU-Sicherheitsstandards notwendig.

Mit dem Plan St. Pöltens, 2024 zu Europas Kulturhauptstadt zu werden, hätten die Investitionen nichts zu tun. „Wir werden in dieser Zeit das Haus aber natürlich maximal benützen und zusätzliche Formate aufgreifen, zum Beispiel den Domplatz open air bespielen.“

"Wir arbeiten in einer Dimension, die sich kein anderes Haus leisten kann"

Schließlich sei das Festspielhaus „eine große Spielwiese, die es anderswo kaum gibt, wir arbeiten in einer Dimension, die sich kein anderes Haus leisten kann“. Doch: „Allfällige Imageprobleme sind daher der Stadtgeschichte geschuldet, die löst das Festspielhaus nicht.“

Fürle geht in die 23. Saison des Hauses und in ihre persönlich siebente. „Ich habe einen Vertrag bis 2022, also meiner neunten Saison. Schauen wir, was kommt.“

Zufrieden kann Fürle mit ihrer Arbeit sein. Das Festspielhaus konnte von 1. September 2018 bis 31. März dieses Jahres 821,398 Euro einnehmen und zählte 35.309 Besucher bei Eigenveranstaltungen. Alle Zahlen, auch die Auslastung von 90,1 Prozent, liegen über dem Vergleichszeitraum der Saison davor.

Und 2019/2020? Unter den fast sechzig Eigenveranstaltungen ragen aus Fürles Sicht einige Leuchtturmprojekte. Dazu gehört die große Open-Air-Show Le Grand Continental XL, bei der Svlvain Émards 150 Laientänzer aufmarschieren lässt (5. Juni 2020), Tschaikowskis „Schwanensee“ mit Martin Schläpfers Ballett am Rhein (21. & 22. März 2020) und die Neuauflage von Lloyd Newsons „Enter Achilles“ (14. Februar 2020).

Für musikalische Feinspitze sehr empfehlenswert, meint Fürle, sei das Ukulele Orchestra of Great Britain (25. Jänner 2020) und der jüdisch-muslimische Klangkörper El Gusto am 28. Mai 2020. www.festspielhaus.at