Stimme der Maß- Schneider. BESTENS VERTRETEN / Annemarie Mölzer aus Gänserndorf ist seit kurzem Vizepräsidentin des Weltverbandes der Maßschneider –  aus „Leidenschaft an der Schneiderei“, wie sie sagt.

Erstellt am 22. August 2011 (00:00)
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VON GERTI SÜSS

Schneiderin aus Leidenschaft – so könnte man die 61-jährige Annemarie Mölzer aus Gänserndorf wohl am besten beschreiben. Bezeichnet sie die Schneiderei doch als einen Kindheitstraum, den sie sich konsequent erfüllt hat. „Meine Eltern waren überhaupt nicht einverstanden damit, dass ich Schneiderin werden wollte“, gibt Mölzer zu. „Mein Vater war ein Beamter – ein Handwerk war für ihn kein hoher Beruf.“
Die Schneiderlehre machte sie trotzdem. Aber weil das vielen in ihrem Umfeld „zu wenig“ war, absolvierte die Gänserndorferin in einem Abendkurs auch noch die Handelsschule.
Ihrer Berufung ist sie jedoch immer treu geblieben. Mit einer eigenen Schneiderwerkstatt wagte sie schon bald den Schritt in die Selbstständigkeit. „Aber die Kreativität geht verloren, wenn man dauernd für die Mitarbeiter da sein muss“, bedauert Mölzer. Deswegen, und „weil junge Leute ihre Chance bekommen sollen“, hat sie ihr Geschäft ihrer Mitarbeiterin überlassen und ist nun ein „Ein-Frau-Betrieb“ .
 
Weltweites Engagement für die Schneiderei
 
Heute, mit 61 Jahren, denkt die Schneiderin noch lange nicht ans Aufhören. In den „Mastertailors“ sieht sie ihre neue, große Herausforderung: So nennt sich nämlich der Weltverband der Maßschneider, dem Mitglieder aus insgesamt 28 Staaten angehören. Diese Plattform setzt sich für die Interessen des Schneiderhandwerks weltweit ein – und hat seit kurzem nicht nur einen Präsidenten aus Korea, sondern auch eine Vizepräsidentin aus Gänserndorf.
Als solche vertritt Mölzer gemeinsam mit einer weiteren Vizepräsidentin aus Deutschland das europäische Schneiderhandwerk und nimmt an zahlreichen internationalen Kongressen teil. Aber auch in den letzten zehn Jahren – als Mölzer „nur“ Bundesinnungsmeisterin war – war sie bereits viel auf Reisen, immer auf der Suche nach neuen Inspirationen.
Um ihre Leidenschaft an junge Menschen weiterzugeben, brachte Mölzer schon so manches Opfer: „Ich habe einem sehr talentierten jungen Mann eine Karte für den Weltkongress der Schneider bezahlt.“ Schließlich war ihr wichtig, dass er auch „über den Tellerrand blickt“.

Unmöglich, Vergnügen und Beruf zu trennen
 
Auf den Blick über den Tellerrand legt sie auch privat viel wert. Deswegen sind Städtereisen eine weitere Leidenschaft der Schneiderin. Den Beruf kann sie dann aber nie ganz vergessen: „Mein Mann sagt immer: Egal, wo du bist – du findest jedes Stoffgeschäft!“ Ihr Ehemann sei eine „wesentliche Stütze“, denn „wenn die Familie da nicht mittut, ist es kaum zu schaffen“, meint die Schneiderin. Schließlich habe er sie stets unterstützt und sich immer wieder Urlaub genommen, um sie auf Kongressen zu begleiten.
Und auch der mittlerweile 41-jährige Sohn war ihr nie böse, wenn sie unterwegs war. Er freut sich auch heute noch sehr, wenn er seine Mutter auf Bildern der Haute Couture Award Austria-Verleihung sieht. Diese höchste Auszeichnung hat die Schneiderin 2007 übrigens auch selbst erhalten.
 
„Mag sein, dass die Modebranche teilweise oberflächlich ist, aber in den Kleidern steckt stundenlange, harte Arbeit“, erklärt die Schneiderin. Die Ergebnisse seien daher alles andere als oberflächlich, sondern eher „die höchste Kunst, die auf dem Körper gemacht werden kann“.