Süße Düfte, bunte Stoffe. Das Indien der Maharadschas / Die Schallaburg zeigt fünf Jahrhunderte Pracht und Schönheit.

Erstellt am 24. März 2013 (13:45)
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Die in Wien lebende indische Tänzerin Kumudini Kaindel mit einer prachtvollen Schatulle vor der Schallaburg. Schallaburg
Von Thomas Jorda

Maria Theresia liebte die feinen indischen Malereien mehr als Gold und Geschmeide, sagte sie jedenfalls, und ließ mit diesen Miniaturen auch einen Raum in Schönbrunn ausgestalten.

Die Liebe Europas zu Indien beruhte in den fünf Jahrhunderten seit der ersten Besitznahme des asiatischen Halbkontinents 1497 durch Vasco da Gama für die Krone Portugals aber längst nicht nur auf der Attraktivität schöngeistigen Kunsthandwerks und exotischer Spezereien. Dahinter steckten handfeste wirtschaftliche Interessen.

Von der ökonomischen Brutalität der meist englischen „Heuschrecken“ und dem Leiden der ausgebeuteten Menschen ist in der neuen Schau der Schalla burg aber nichts zu sehen und manches höchstens zu erahnen.

Die Lebensrealität der indischen Elite 

 

Die bisher sechzigste Schau der Schallaburg (bis heuer kamen 4,9 Millionen Besucherinnen und Besucher) stellt die Lebensrealität der indischen Elite dar, eben der Maharadschas, die erst Mitregenten der Mogulen und dann der englischen Herren waren. Erst 1948 verloren sie gemeinsam mit den Engländern die Macht in Indien.

Kriegerische Leistungen hatten die Maharadschas kaum vorzuweisen, auch deshalb, weil die Kolonialherren am Frieden im Land Interesse hatten. Also investierten die lokalen Herrscher das reichlich eingenommene Geld und sehr viel Energie in die Ausstattung ihres Lebensraumes mit Prunk und Pracht.

Viel davon ist in der Ausstellung zu sehen, teurer Schmuck und wunderschöne Stoffe, hinduistische Meisterwerke und so manch prachtvoller Teppich.

Dazu, gewollt interaktiv, gibt es Gewürze und frivole Düfte zum Riechen, Filme, Fotos (etwa von der Indienreise des Thronfolgers Franz Ferdinand) und informative Beschriftungen zum Schauen und Lesen, manches zum Angreifen und in jedem Raum Aufgaben für die ganze Familie. Dazu findet man im Katalog QR-Codes und Ayurveda-Pflanzen im Schaugarten.

400.000 Euro durften Kurator Matthias Pfaffenbichler, Direktor der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums, und die für die – sehr gelungene – Ausstellungsarchitektur verantwortliche Gruppe Gut investieren und vierhundert Exponate, sogar aus dem Londoner Vicoria-and-Albert-Museum zusammentragen. So ist eine bunte, vielfältige und prachtvolle Ausstellung entstanden, die aber bewusst auf einem Auge blind ist. Ob die fehlende soziale Komponente dem Publikum abgeht, wird sich zeigen.

Bis 10. November, dem indischen Lichterfest, geöffnet.

www.schallaburg.at