Die, die das Dorf retten. Landflucht ist aktueller denn je. In ihrem zweiten Film zeigt die Herzogenburger Regisseurin Teresa Distelberger Menschen, die etwas dagegen unternehmen – auch in NÖ.

Von Sabrina Luger. Erstellt am 04. März 2020 (01:33)
Dokumentarfilmerin Teresa Distelberger ist in Herzogenburg aufgewachsen.
Distelberger

Leere Geschäfte, ein leerer Dorfplatz, und das heimische Wirtshaus steht kurz vor dem Aus, weil es keinen Nachfolger gibt. Die Landflucht stellt die Dörfer auf die Probe. Doch es gibt Licht am Ende Tunnels. Ist das Dorf vielleicht doch die Zukunft?

Die Regisseurin Teresa Distelberger hat in ihrem zweiten Dokumentarfilm jene Menschen begleitet, die mit ihren Ideen und Initiativen das Dorf zum Leben erwecken. „Was Dörfer in der Zukunft wirklich brauchen, ist Leben vor Ort und Arbeit vor Ort“, betont die Dorfaktivistin und Unternehmerin Theresa Steininger aus Gutenstein. Mit ihrer Arbeit und ihrem Start-up-„Wohnwagon“ möchte sie aktiv dem Dorfsterben entgegenwirken und Ortschaften wieder lebendiger machen.

Anhand von Workshops zeigt sie den Dorfbewohnern, wie sie leer stehende Gebäude nutzen können, sodass sie nicht verfallen. Ziel ist es dabei immer, das wiederzubeleben, was früher traditionell da war. „Also: Menschen, die untertags da sind“, so die junge Unternehmerin. Besonders durch neue Berufsbilder, die es Personen ermöglichen, online und von zuhause aus zu arbeiten, könnten mehr Arbeitsplätze in den Dörfern geschaffen werden.

"Lebendige Säulen" des Dorflebens im Porträt

Theresa Steininger ist eine der Personen, die die Regisseurin Teresa Distelberger in „Rettet das Dorf“ vorstellt. „Wir haben bewusst Menschen gesucht, die wie lebendige Säulen ganz wichtige Funktionen in ihrem Ort haben: eine Nahversorgerin, die Lehrerin einer sehr kleinen Schule, ein Bürgermeister, eine Landärztin, ein Unternehmer, ein Bergbauer…“, so die Regisseurin, die in Herzogenburg aufgewachsen ist. Sie selbst wohnt zurzeit in Wien, möchte aber wieder raus aufs Land. „Ich bin weder ein typischer Stadt- noch ein hundertprozentiger Landmensch“, meint Distelberger. „Damit bin ich – glaube ich – nicht alleine!“

Eine Person, die sich nicht vorstellen könnte, in die Stadt zu ziehen, ist Heidelinde Schuberth, Hausärztin aus St. Leonhard am Hornerwald im Waldviertel (1.119 Einwohner). „Mich fasziniert es irrsinnig, die Leute von Familienverbänden, vom Baby bis zur Oma, alle zu kennen. Im Krankenhaus hat man seinen Dienst, und danach geht man heim“, erzählt die Ärztin. Im Film wird sie in ihrem Alltag begleitet. Das betrifft Hausbesuche, ihre Arbeit in der Ordination wie auch das Privatleben.

Eine, die das Dorf retten will: Hausärztin Heidelinde Schubert ausSt. Leonhard am Hornerwald beim Hausbesuch. Ihre Praxis hat die Medizinerin in der zuvor leer stehenden Hauptschule im Dorf eingerichtet.
Nikolaus Geyrhalter Film

Heidelinde Schuberth wollte nicht wie ihr Vorgänger ihre Ordination in ihrem Privathaus unterbringen. Sie hat deshalb, gemeinsam mit der Gemeinde, eine Alternative finden können. Die leer stehende Hauptschule wurde zu einem Gesundheitszentrum umfunktioniert. Somit gibt es nicht nur Platz für die Hausärztin, sondern auch für weitere Ärzte wie beispielsweise einen Zahnarzt.

Film bewirkt Verständnis für Situation am Land

Obwohl Landflucht ein komplexes und negatives Thema ist, vermittelt der Film Hoffnung, dass einzelne Personen tatsächlich etwas bewirken können. Damit folgt „Rettet das Dorf“ Distelbergers Linie, die sie auch schon in ihrem Dokumentarfilm aus 2017 „Die Zukunft ist besser als ihr Ruf“ verfolgt hat.

Der Film ist besonders für ein Publikum aus dem ländlichen Raum gedacht, da sich Personen, die selbst in einem Dorf leben, mit den Themen am ehesten identifizieren können. Doch die Dokumentation zielt auch darauf ab, ein größeres Verständnis für die Situation am Land zu bewirken.

Der parteilose Bürgermeister Fritz Pichler aus der Steiermark, der für seine Initiative für ein Dorfzentrum porträtiert wird, bringt es mit seinen Worten auf den Punkt: „Die Städter brauchen uns, und wir brauchen die Städter“.