Junge Leute und brutale Gewalt. Die nächste Produktion – „Smack Cam“ – beschäftigt sich mit jugendlichen Aggressionen im Netz.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 23. Januar 2018 (01:25)
SarmadSaedaddin
„Smack Cam“ meint Filme, bei denen ein Opfer Rasierschaum ins Gesicht bekommt. Daraus wird im Theater Jugendstil brutale Gewalt. Es stellt sich die Frage: Wer ist Opfer, wer ist Täter?
Bild: Sabrina Rupp, Susanne Preissl und Bernhard Rutsch (v. r.).

Das Projekt begann eher verzweifelt. Sophie Berger und Susanne Preissl, Absolventinnen der Schauspielschule Kraus, warteten gespannt auf Angebote. Doch die wollten so üppig nicht kommen. „Da haben wir gesagt: Warten wir nicht darauf, dass uns wer engagiert, sondern machen wir selbst etwas“, sagt Preissl. Das war 2011, die Geburtsstunde des Theaters Jugendstil, des Jugendtheaters mit Stil.

Der Start war Lutz Hübners Jugenddrama „Creeps“, denn: „Das wollten wir unbedingt schon in der Schauspielschule erarbeiten, weil uns die Rollen so interessiert haben. Aber keiner hat es mit uns gemacht“, erzählt Preissl. Die, übrigens, derzeit in Ödön von Horváths „Der jüngste Tag“ im Stadttheater Mödling spielt.

Jedes Jahr wird ein möglichst aktuelles Jugendstück auf die Bühne gebracht (nur in einem Jahr ging’s nicht, als Sophie Berger Mutter wurde). Geld bekommt das Theater Jugendstil von Wien und Niederösterreich, erarbeitet wird es in Zusammenarbeit mit Lehrern und Lehrerinnen, Schülerinnen und Schülern. „Da haben wir sehr gute Netzwerke. Wir setzen uns mit Klassen zusammen, quatschen mit den Leuten, fragen sie zu dem Stück, das wir planen, wo sie Knackpunkte sehen, welchen Zugang sie haben.“

Das nächste Stück trägt den Titel „Smack Cam“ und wurde von Raoul Biltgen verfasst. Es bezieht sich auf den Fall im November 2016, als eine Jugendbande eine Prügelattacke gegen ein Mädchen online stellte und 4,5 Millionen Klicks erhielt.

Drei Darsteller stehen bei „Smack Cam“ auf der Bühne, Täterin, Opfer und Filmer. Jeder schildert aus seiner Warte, was geschehen ist. „Und wir wollen, dass jeder, der spricht, Verständnis für sein Tun weckt.“

Gespielt wird ab 29. Jänner in Bruck an der Leitha, St. Pölten, Baden und Wien.

www.jugendstil-theater.com