„Ich bin im Krimi schon auch für falsche Fährten!“. Tibor Zenker, Theater-, Drehbuch-, Hörbuch- und Buchautor und (Familien-)Wolkersdorfer, sprach mit Michaela Fleck über Meisterdetektive, Pathologen, Adolf Kottan, Sherlock Holmes, „Star Trek“ und die nächsten (Hör-)Bücher.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 17. Februar 2021 (03:53)
Tibor Zenker
Lukas Beck

NÖN: Gerade sind Ihre Krimis erstmals als Bücher erschienen. Und das gleich mit einer berühmten Silhouette am Cover: Sherlock Holmes. Geht’s da um Mörder? Um Denker? Oder schlicht und schwierig um Menschen?

Tibor Zenker: Am ehesten um Letzteres. Für mich ist das Verhältnis zwischen den Hauptfiguren ganz wichtig. Aber eine Krimihandlung muss schon auch dabei sein. Ich bin auch für falsche Fährten. Und der Meisterdetektiv darf auch mal scheitern!

Arthur Conan Doyles berühmtester Detektiv pafft aber bei Ihnen nicht nur am Buchdeckel. Sondern ermittelt allein im ersten Buch gleich in sechs Fällen. Was macht den aus? Und was macht den 135 (!) Jahre nach seiner literarischen Geburt noch spannend?

Zenker: Ich glaube, dass ihn zwei Sachen auszeichnen: die Tatsache, dass er wissenschaftlich an Fälle herangeht. Das führt natürlich geradewegs zur heutigen Forensik, zu C.S.I. usw. Das andere ist der Prototyp jedes Ermittlerduos – bis hin zu Kottan & Schrammel oder Thiel & Boerne. Die Figur selbst ist einzigartig – aber natürlich auch etwas übertrieben.

Und was hat der, was der Kottan nicht hat?

Zenker: Die Berufung und die Fähigkeiten! Er kommt auch aus einem ganz anderen Milieu. Mein Vater [Helmut Zenker, der den Kottan 1974 erfunden hat] konnte Holmes überhaupt nicht leiden. Und den hat’s beim Kottan wirklich genervt, dass er immer einen Krimi dazu erfinden musste.

Mumien, Piraten, aber auch Japaner, Vampire und Majestäten tummeln sich da in Ihren drei neuen Büchern. Welche Rolle spielt da Watson? Und wo hat sich Professor Moriarty versteckt?

Zenker: Bei mir ist Watson quasi der Pathologe, wo’s notwendig ist. Doyle hat ja schon ein bisschen was von sich in Watson hineingelegt. Den Moriarty hab ich bisher noch nicht auftreten lassen. Irgendwann wahrscheinlich sicher, aber das ist sehr heikel. Das muss passen, ich will Doyle und sein Werknichtdurchwursten.

Erschienen sind Ihre Detektivgeschichten zuerst als Hörbücher. Warum nicht gleich als Bücher?

Zenker: Ich geh grundsätzlich davon aus, dass das ein unterschiedliches Publikum ist. Aber das hat sich ergeben, weil mein Bruder einen recht umfangreichen Hörverlag hat. Das war auch seine Idee, die Originale hat er schon im Programm gehabt. Ich hab gesagt: Sicher nicht! Aber ich lass mich ja immer überreden! Und jetzt bin ich schon sehr froh, dass man auch was in der Hand hat!

Geschrieben haben Sie aber auch schon Theaterstücke, Sachbücher und sogar ein Puppenmusical – alle mit oder über den Major Kottan. Hatten Sie nicht auch mal genug, von den Kriminellen?

Zenker: Ich selber schau’ lieber „Star Trek“ als „Law and Order“. Aber wenn man sich anschaut, was gelesen und verfilmt wird…

Und was kommt als Nächstes?

Zenker: Ich schreib’ weiter, Hörbücher, die gibt’s jeden Monat neu. Spätestens im Sommer kommen dann Hörspiele. Ich hab Material für einen Haufen Bücher!