Tinte und Kochlöffel. KOCHDUETT / Der Haubenkoch Manfred Buchinger und die Krimiautorin Eva Rossmann sind in der Küche ein eingespieltes Team.

Erstellt am 01. Mai 2011 (21:28)
NOEN
VON CHRISTIAN BAYR

Eigentlich war es gar keine Liebe auf den ersten Blick, als die Krimiautorin Eva Rossmann – ihre  Spezialität: Mira-Valensky-Krimis – vor Urzeiten Haubenkoch Manfred Buchinger bat, ob sie nicht in seiner Alten Schule in Riedenthal ein bisschen mitkochen dürfte – für eine Buchrecherche. Aus den geplanten fünf Wochen sind mittlerweile neun Jahre geworden.

„Am Anfang war ich doch ein bisschen skeptisch“ erinnert sich Haubenkoch Manfred Buchinger. „Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich ihr als erste Aufgabe aufgetragen habe, das Geschirr abzuwaschen.“ Woran die gelernte Juristin und Krimiautorin nur mit Grausen denkt: „Ich habe nämlich entdeckt, dass ich das überhaupt nicht kann.“

Mittlerweile gelingt der Spagat zwischen Jus (ihrem ursprünglich erlerntem Beruf) und Jus (so nennen Profiköche die braune Grundsauce aus Kalbsknochen) aber immer besser. Und wenn es einmal gar nichts zu lachen gibt, weil der Stress in der kleinen Küche mörderisch ist, „dann hilft mir immer noch der Schmäh vom Manfred, ohne den würde ich das heute sicherlich nicht mehr machen“ attestiert die Krimiautorin ihrem Chef herausragende soziale Fähigkeiten.

Die Profiküche als Stätte eines raueren Umgangstons
Natürlich kann es auch beim größten Verständnis einmal krachen, gilt doch die Profiküche nicht zu Unrecht als Stätte eines eher raueren Umgangstons. In der Alten Schule allerdings mit vertauschten Rollen. Rossmann kleinlaut: „Wenn es einmal wirklich hektisch wird und etwas nicht so klappt, wie ich das gerne hätte, dann kann ich schon einmal etwas lauter werden“, was Buchinger zum Kopfschütteln animiert: „Ich denke mir dann, da stimmt was nicht. Wenn in meiner Küche wer laut werden darf, dann bin das ja wohl ich.“

Dabei sind sich die beiden Berufe gar nicht unähnlich. Rossmann: „Schreiben wie Kochen sind in erster Linie solides Handwerk, die aber einen gehörigen Schuss Kreativität vertragen. Außerdem gefällt mir am Kochen so gut, dass immer Action herrscht, alles schnell gehen muss.“ Und sie habe in der Küche gelernt, wie wichtig Teamarbeit sei: „Als Schriftstellerin bin ich eine klassische Einzelkämpferin.“
Was muss man den mitbringen, um als Profikoch reüssieren zu können? „Einen eisernen Willen“ schießt Manfred Buchinger wie aus der Pistole heraus, „ eine gute Kondition, und hitzebeständig muss man sein“, ergänzt seine Souschefin.
Schließlich ist alles eine Frage der Organisation: „Gut kochen können viele Hobbyköche, aber die Logistik, damit alles rechtzeitig fertig ist, darauf kommt es in der Profiküche an“, sagen beide.

Gerade hat Manfred Buchinger sein „Weinviertel Kochbuch“ (Metro-Verlag) vorgestellt (mit einem Essay von Eva Rossmann): „Für dieses Buch habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Sterz gekocht, und ein Kochbuch mit einem Rezept für ein Schmalzbrot habe ich auch noch nie gesehen“, so Buchinger.
Einfaches sei wieder „in“, die Rückkehr zu den Wurzeln vorprogrammiert. Bei so viel Biedermeierlichkeit will auch Eva Rossmann nicht zurückstehen: „Ich bin stolz auf das, was ich in der Küche leiste. Aber wenn die Messer stumpf sind, dann lasse ich das immer noch lieber den Manfred machen.“ www.buchingers.at
 www.evarossmann.at