Geschenke für Augen und Ohren. Das Beste aus 2020 zum Lesen und Hören – von Mitterer bis Komarek und von Beethoven bis zur „Wüdnis“.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. Dezember 2020 (05:10)

Auch wenn 2020 Konzertsäle monatelang zu und Literaturveranstaltungen abgesagt waren – zu lesen und zu hören gab es dennoch viel. Hier eine Auswahl.

NOEN

Noch im letzten Jahr hat Ulrike Winkler-Hermaden in der Schleinbacher Edition Winkler-Hermaden das schmale Bändchen „Lily und Jack“ veröffentlicht. Und erzählt von einer Kindheit in der Nazi-Zeit, von Fahnenmeeren und Blumenfenstern, Waschtischen, Kohlenkisten, Bombenangriffen und Nachkriegsgefühlen.

Ulrike Winkler-Hermaden „Lily und Jack“, Edition Winkler-Hermaden, 98 Seiten, 18 Euro

Im März hat Pianistin, Beethoven Frühling-Gründerin und Badenerin Dorothy Khadem-Missagh beim deutschen Klassiklabel Ars Produktion ihre Beethoven-CD zum Beethoven-Jahr herausgebracht.

NOEN

Die hört sich so klar, so klassisch und doch so frisch an, als wäre der Meister gerade noch über seinen Noten gesessen. Und hätte sich mit einem unbekannten Bewunderer (Karl Traugott Zeuner) unterhalten. Energisch, behutsam und immer ernsthaft klingt diese musikalische Begegnung, die Lust auf mehr macht.

Dorothy Khadem-Missagh Beethoven und Zeuner, Ars Produktion, 21 Euro

Im März, und zwar pünktlich zu seinem 20. Geburtstag, hat auch Shooting-Star und Seitenstettner Lou Asril sein erstes (Mini-)Album auf den Markt gebracht.

NOEN

Und singt auf „Lou Asril“ vom Himmel und von Goldminen, von Sanftem und Sicherem, von Selbstfindung und auch von Sex. Smooth klingt das, cool klingt das, und so, als wäre da einer schon seit Jahrzehnten im Geschäft.

Lou Asril „Lou Asril“, Ink Music, 15 Euro

Ebenfalls im März haben die vier Damen von My Ugly Clementine , darunter Sängerin und Neulengbacherin Mira Lu Kovacs , ihr Debüt-Album „Vitamin C“ herausgebracht.

NOEN

Das tummelt sich auf Spielplätzen, Friseursalons und Kaffeelokalen, zwischen „lieben“ Freunden und bösen Buben. Da fliegen die Haare, rocken die Gitarren und versprühen die Songs von Sophie Lindinger so viel (weibliche) Power, dass man gleich aufspringen und mittanzen möchte.

My Ugly Clementine „Vitamin C“, Ink Music, 15 Euro

Im Mai hat Wahl-Weinviertler und NÖN-Leopold-Preisträger Felix Mitterer seinen ersten Roman vorgelegt.

NOEN

„Keiner von euch“ heißt der. Ist eine wüste, wahre, herzzerreißende Lebensgeschichte. Und erzählt so mitfühlend von Angelo, Josephine und Clara Soliman, dass man am liebsten laut mitweinen würde.

Felix Mitterer „Keiner von euch“, Haymon Verlag, 344 Seiten, 24,90 Euro

Im Mai hat auch Film-Star, NÖN-Leopold-Preisträgerin und Pöchlarnerin Ursula Strauss ihr erstes Album veröffentlicht. „Wüdnis“ heißt das.

NOEN

Ist das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit mit Liedermacher Ernst Molden. Und singt ganz schlicht, ganz schwarz und doch ganz wild von der Feuerwehr und vom Krieg, von Mörderinnen und Kanarienvögeln, vom Meer in der Stadt und der Einsamkeit im Herzen.

Ursula Strauss und Ernst Molden „Wüdnis“, Baden Molden Recordings, 18 Euro

Im September hat Niederösterreichs Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll nach seinen politischen Erinnerungen mit dem Titel „Außer Dienst“ eine „Liebeserklärung“ vorgestellt.

NOEN

„Mein Niederösterreich“ heißt das Buch, das mit interessanten Informationen und beeindruckenden Bildern unser Bundesland darstellt. Und zeigt gerade jetzt, wie schön es vor der Haustüre ist.

Erwin Pröll „Mein Niederösterreich“, Ueberreuter, 240 Seiten, 28 Euro

Ebenfalls im September hat der Haymon Verlag die Weihnachtsgeschichten von Wahl-Weinviertler Alfred Komarek in einem fast schon abstrakt von Eva Kellner illustrierten Band versammelt.

NOEN

Der fängt im Schnee an und hört im Himmel auf, träumt von der Liebe, vom Fliegen und vom Zuhause. Lässt Weihnachten erst kalt, dann doch noch ganz warm werden.

Alfred Komareks Weihnachtsgeschichten, Haymon Verlag, 176 Seiten, 17,90 Euro

Im Oktober hat auch Literat und Kamptaler Wolfgang Kühn die jüngste Anthologie in Niederösterreichs Literaturedition präsentiert. Die hat schon am Cover das Hirn in den Käfig gesperrt.

NOEN

Und erzählt – in 14 Geschichten von sieben Autorinnen und sieben Autoren – von Grenzen im Kopf und im Land, von Kriegen und Viren, vom kleinen Glück und fernen Gesprächen, von Ausflüchten, Fluchtbildern, Fußnoten und Sehnsuchtsorten.

Wolfgang Kühn (Herausgeber) „Grenzenlos?“, Literaturedition NÖ, 248 Seiten, 20 Euro

Und im Oktober hat schließlich auch Star-Pianist und Grafenegg-Intendant Rudolf Buchbinder seine jüngste Beethoven-CD bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.

NOEN

Die stellt eine Live-Aufnahme mit Berlins Philharmonikern sechs Variationen für Piano Solo gegenüber. Und zeigt, wie klar, wie elegant und auch wie innig Philharmonisches wie Solistisches klingen kann.

Rudolf Buchbinder „Beethoven: Piano Concerto No. 1 et al., Deutsche Grammophon, 15,12 Euro

Im November, rechtzeitig vor dem ersten Adventsonntag, hat Alois Schwarz sein achtes Buch im Berndorfer Kral Verlag herausgebracht. 

NOEN

Unter dem Titel „Wenn der Himmel niederkniet“ hat St. Pöltens Diözesanbischof einen Begleiter durch den Advent und für Weihnachten verfasst. Neben Impulsen und Gedanken zum Weihnachtsfest besticht das Werk vor allem durch die Bebilderung, die Kunstwerke aus Niederösterreich abbildet.

Alois Schwarz „Wenn der Himmel niederkniet“, Kral Verlag, 168 Seiten, 24,40 Euro

Im November hat auch Wahl-Waldviertler Thomas Samhaber sein Lesebuch zu Franz Kafka und Milena Jesenská in Richard Pils’ Bibliothek der Provinz herausgebracht.

NOEN

Franz Kafka und Milena Jesenská – das ist eine der großen Beziehungen der Weltliteratur. Schriftstellerisch fand sie Niederschlag in den „Briefen an Milena“. Dreh- und Angelpunkt der Liebesgeschichte ist Gmünd. Dass Milena Jesenská selbst als Journalistin, Schriftstellerin und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime bemerkenswerte Spuren hinterließ, ging bislang unter. Das ändert Thomas Samhaber, indem er ausgewählte Texte in die kurze, aber bewegte Liebesgeschichte einwebt.

Thomas Samhaber (Herausgeber) „Begegnung an der Grenze“, Bibliothek der Provinz, 192 Seiten, 22 Euro

Im November ist auch die „Zwischenbilanz“ von Dominic Thiem im Egoth-Verlag erschienen.

NOEN

2020 war das bisher erfolgreichste Jahr in der Karriere des Tennis-Super-Stars. Weil die meisten Experten dem Lichtenwörther noch viel größere Erfolge zutrauen, hat Autor und Verleger Egon Theiner sein Werk „Zwischenbilanz“ genannt – eine minutiöse Aufbereitung der Erfolgsgeschichte. Wer sich Blicke hinter die Kulissen erwartet, wird allerdings enttäuscht.

Egon Theiner „Dominic Thiem – Zwischenbilanz“, Egoth Verlag, 256 Seiten, 24,90 Euro

Und im November hat schließlich die Weinviertler Dialekt-Brass-Band Skolka ihre jüngste Single auf den Markt gebracht. Mit „Kia vor deiner Tia“ bläst Skolka Klatschtanten, Gschichtldruckern und Lästermäulern mit Blech, Schlagzeug, Bass und E-Gitarre gehörig den Marsch.

NOEN

Der Song kommt stark daher, vielleicht etwas eintönig in der Botschaft, dafür wortspielerisch sehr kreativ. Und gehört zur ebenfalls brandneuen EP „Imma weida“. Noch nicht gehört? Dann aber schnell!

Skolka „Imma weida“, Monkey Music