Träumen mit Publikum. Helga David, Schauspielerin, Regisseurin und langjährige Intendantin des Reichenauer Thalhof, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 22. Juni 2015 (05:16)
NOEN, Foto: Lackinger
Helga David

NÖN: Am Donnerstag feiern Sie zum ersten Mal im Schloss Wartholz Premiere. Womit?
David: Mit den von Rilke übersetzten „Briefen einer Nonne“. Die haben eine besondere Explosivität. Und die sind, mit der Leidenschaftlichkeit einer Nonne, fast revolutionär. Ich hab’ das deshalb gemacht, weil ich eine echte Schlosskapelle habe, in die schon Kaiser Karl hinuntergeschaut hat…

Drei Wochen später gibt’s gleich die nächste Premiere in Reichenau – in der Wartholzer Orangerie und mit Schnitzler. Wie wird das?
Das „Bacchusfest“ ist ein Stück, das das Zerbröseln einer Ehe aufzeichnet. Aber wir kitzeln da den berühmten Schnitzler-Schmäh heraus. Und wir haben, auch beim „Hochzeitsmorgen“, gerade wieder so viel gelacht, das lässt einen die Welt vergessen.

Lässt das auch den Ballsaal im Thalhof vergessen, den Sie 16 Jahre lang bespielt haben?
Den Saal vermisse ich schon! Für mich ist das jetzt ein bisschen wie ein Übergangsquartier. Ich hab’ auch vom Thalhof geträumt und von den Hirschen, die bis zum Saal herangekommen sind. Aber das ist vorbei, da ist auch was kaputt gegangen.

Was hat das Sommertheater, was der Saisonbetrieb nicht hat?
Was in Niederösterreich aus dem Theatersommer geworden ist, ist schon was Tolles. Und einen Raum von 0 auf 100 zu bringen, ist etwas Wunderbares. Ich mag keine Pampersvorstellungen. Wenn man’s intensiv erlebt, hat man nach 1 Stunde 10 genug – zumindest bei mir!

Was wünschen Sie sich?
Einen festen Standplatz. Eine dichte Atmosphäre. Und ich hab’s gern, wenn das Publikum mitträumt!