Trotz Arbeit arm …. Einkommensanalyse / Wirtschaftswachstum hatte keine Auswirkung auf Einkommen. Mehrheit glaubt, dass Lohn immer weniger wert wird.

Erstellt am 09. Dezember 2012 (18:55)
NOEN
DIE NÖN-ONLINE-UMFRAGE
Von Madeleine Kopitschek

Frauen – 1.443 Euro, Männer – 2.180 Euro, so sieht das Medianeinkommen (mittleres Einkommen) in Niederösterreich aus. Laut Einkommensanalyse 2011 sind die Beschäftigten im Bezirk Amstetten, mit 2.083 Euro, die Bestverdiener des Landes. Das Schlusslicht belegt der Bezirk Krems Land mit einem erhobenen Medianeinkommen von 1.478 Euro.

Thomas Polehnia, Geschäftsinhaber in Korneuburg: „Wir bewegen uns auf eine Zweiklassengesellschaft zu, die Mittelschicht stirbt langsam aus.“

Die NÖN fragte in der Vorwoche ihre Leser, ob der Lohn immer weniger wert sei.
Über 80 Prozent der Teilnehmer der NÖN-Online-Umfrage stimmten mit „Ja“. Preistreiber seien in erster Linie die stark gestiegenen Kosten für Energie, Wohnen und Lebensmittel.

Den großen Einkommensunterschied zwischen den Bezirken erklärt sich AK-Bezirksstellenleiter Robert Schuster so: „Viele Frauen arbeiten eher in den schlecht bezahlten Branchen, wie im Handel, der Textilreinigung oder im Gastgewerbe; das ist von Bezirk zu Bezirk verschieden, daher der Unterschied.“

Obwohl die Wirtschaft im Vorjahr um 2,7 Prozent gewachsen ist, vor allem wegen Exporten und dem privaten Konsum, hat sich das nicht auf die Einkommen ausgewirkt. Im Gegenteil: Landesweit mussten die NÖ-Arbeitnehmer einen Reallohnverlust von 27 Euro gegenüber 2010 hinnehmen. „Reallohnverluste sind immer ein Drama, das spüren die Leute direkt in ihren Geldbörsen“, sagt Alfred Jordan, AK-Bezirksstellenleiter in Korneuburg.

Schlossermeister Johann Jindra aus Weiten: „Man muss heute um 20 Prozent härter arbeiten, um das zu haben, was man früher hatte.“

Dennoch konnten in St. Pölten, Horn, Gmünd und Waidhofen kleine Einkommensgewinne von 0,02 Prozent erzielt werden. „In Städten ist die Einkommenssituation seit jeher besser, weil man in der Stadt mehr Konkurrenz hat. Das treibt auch das Gehalt nach oben“, sagt Andreas Windl, AK-Bezirksstellenleiter in St. Pölten.

Ein begleitendes Phänomen der Preiserhöhungen ist die steigende Anzahl an „Working poors“ – Menschen, die trotz Beschäftigung am Existenzminimum leben. Laut der jüngsten AK-Studie reiche das Einkommen bei über der Hälfte der Arbeitnehmer gerade noch aus, um deren täglichen Bedürfnisse zu decken.