Museum Gugging: Wo die wilden Träume wohnen

Gleich drei „wilde“ Künstler – und ihre Fantasien – hat das Gugginger Museum in seiner jüngsten Themenschau versammelt.

Michaela Fleck
Michaela Fleck Erstellt am 13. Oktober 2021 | 02:21
Museum Gugging
Zirkushüte, Divenwimpern und pochende Herzen: „Höz“ hat Art-brut- Künstlerin Ida Buchmann ihre drei lebensgroßen Figuren genannt. Die wohnen seit letzter Woche im ersten Stock des Gugginger Museumshauses – gemeinsam mit Johann Fischer und Johann Korec.
Foto: NÖN/Fleck

Milchkühe, Pferdeherden, „trollige“ Elefanten und ein „vollwärtiger Mann“. Kasperl, Mönche, Mäuse, „Mutterherzen“ und „Himmelreiche“. Und: Eisläufer, Russenpanzer, Zirkustiger, Hexenmeister und der Papst.

„Das sind ins Bild gesetzte Träume“, erklärt Johann Feilacher. Und hat die ins Bild gesetzten Träume an die Museumswände am Gugginger Kulturhügel gehängt. „visualized dreams…“ heißt die zugehörige Schau. Hat vergangenen Mittwoch ihre Pforten geöffnet. Und zeigt auf 600 Quadratmetern 143 Werke von drei Künstlern. Was die gemeinsam haben? „Dass sie ihre Wünsche, Träume und Fantasien gezeichnet haben, dass sie alle Schrift im Bild verwenden, dass sie alles aus sich selbst geschaffen haben – und dass sie alle in der Psychiatrie gelandet sind“, fasst der Museumsleiter, Künstler und Psychiater zusammen.

Wild, bunt, fantastisch, komisch, ironisch

Die 2001 verstorbene Schweizerin Ida Buchmann lebte 20 Jahre in der Psychiatrie, hatte erst mit Mitte 70 zu zeichnen begonnen und war laut Feilacher „eine kleine Frau, die singend große Leinwände bemalt hat“.

Der 2008 verstorbene Eggendorfer Johann Fischer war einer der „ruhigen Patienten im Gugginger Pavillon 2“, hat erst im Haus der Künstler von Leo Navratil zu malen begonnen un war dort der „Sir“, der mit allen per Sie war.

Der ebenfalls 2008 verstorbene gebürtige Wiener Johann Korec lebte 27 Jahre lang in Gugging, war einer der ersten der sogenannten Gugginger Künstler und hat sich auch mal selbst in seine Werke gezeichnet („da sitzt er dann mit einer Dame an der Bar“).

Wild, bunt, fantastisch, komisch, ironisch sind sie alle – die riesigen, mit Permanentmarker und Wachskreiden bemalten Leinwände der Ida Buchmann, auf denen sich Vögel und Mäuse, Kasperl und Küsse tummeln. Aber auch die kleinen, zarten Bleistiftbilder, später heftig „inschriftierten“, wie der Künstler selbst sagte, Bildgeschichten voller Tiere, Telefone und Tennisspieler (auch eine Landkarte von „Freudigösterreich“) des Johann Fischer. Und die mit Deckfarben, Tusche und Kugelschreiber bemalten oder radierten Werke nach Vorlagen aus der „Bunten“ oder aus dem (Liebes-)Leben des Johann Korec sind dazu noch politisch – und erotisch.

„visualized dreams…“, bis 20. März 2022, Museum Gugging, www.museumgugging.at