Vom Leben und Lernen im Kremser Karikaturmuseum. Um Lehrer, Schüler, Politiker und andere Bildungsprobleme dreht sich die heurige Herbstschau im Kremser Karikaturmuseum – und das von Maria Theresia bis heute.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 19. September 2017 (00:47)
Landessammlungen NÖ/ Christoph Fuchs
„Ich soll meine Schüler nicht ärgern!“: Aus 1994 stammt Gerhard Haderers bedauernswerter Lehrer, der an der Tafel Strafsätze selber schreiben muss. Zu sehen seit Samstag im Ironimus-Kabinett im Kremser
Karikaturmuseum. 

Über die Schule lässt es sich schön schimpfen. Das war schon vor 200 Jahren so. Und das wird sich auch in den nächsten 100 Jahren nicht ändern. Aber: Über die Schule lässt es sich auch wunderbar lachen. Und über schlimme Kinder, überforderte Lehrer und noch mehr überforderte Politiker erst recht.

Wenn die Kinder nämlich ihren Erziehern die lange Nase drehen, wenn die Lehrer langsam am Spieß grillen und wenn die Politiker wegen mangelhafter Noten zum Nachsitzen in die „Koalitionsschule“ gesteckt werden, dann ist das nicht nur komisch. Dann „holt das das Thema auch wieder in die Diskussion“. Sagt Gottfried Gusenbauer. Und will in seiner jüngsten Themenschau (fast) pünktlich zum Schulbeginn nicht nur über die Schule schimpfen. Sondern auch über das Leben und das Lernen nachdenken.

Klug und böse diese Schau

Über 50 groß- und kleinformatige Werke von 30 Zeichnern, Malern und Karikaturisten hat der Karikaturmuseums-Direktor dazu in seinem Ironimus-Kabinett („Das ist ein typisches Ironimus-Thema – aktuell und politisches“) zusammengetragen. Von Gustav Peichls „Koalitionsschule“ aus 1960 bis zu Margit Krammers „Autonomiepaket“ aus 2017, von Joseph Cajetans „Fasslichem Rechenunterricht“ aus 1854 bis zu Gernot Budweisers Lern-Verhinderungen aus 2015.

Da spielt Maria Theresias Kinderschar bei Bruno Haberzettl mit Erziehern fröhlich Cowboy und Indianer, da springen Pferdchen bei Paul Flora munter übers ABC, bevor sie am Ende doch noch stürzen, da wartet vom türkischen Gymnasium bei Thomas Wizany statt der „Mami“ der „Imam“, da verschlingt das Zentralmatura-Monster bei Oliver Schopf im Serverraum Kinder und da seilen sich die Schüler bei Benedikt Kobel von Büchergebirgen ab, während sie wieder bei Bruno Haberzettl anno 3014 auf den Ruinen ihrer Schulen Bananen essen.

Klug und böse und aktuell und politisch ist diese dichte Schau – und nicht nur für Bildungsbeauftragte dringend zu empfehlen! Bis 21. Jänner 2018, www.karikaturmuseum.at