St. Pölten 2024: Synagoge wird belebt. Um vier Millionen Euro wollen Land und Stadt die ehemalige St. Pöltner Synagoge umfassend renovieren und ab 2024 auch wieder fürs Kulturpublikum zugänglich machen. Der Bestandsvertrag zwischen Wiens Israelitischer Kulturgemeinde und NÖs Museums-Betriebs-GmbH ist bereits unterschrieben, jetzt sucht man einen Generalplaner für die Sanierung und Adaptierung.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. April 2021 (13:32)
Soll für Niederösterreichs Kulturhauptstadt 2024 renoviert, adaptiert und neu bespielt werden: die ehemalige Synagoge in St. Pölten. Foto: Marius Höfinger
Marius Höfinger

Ein Meilenstein des „Kunst- und Kulturschwerpunkts St. Pölten 2024“ ist die Renovierung und Weiterentwicklung der ehemaligen Synagoge der Landeshauptstadt. „Nach dem kürzlich erfolgten Abschluss eines unentgeltlichen Bestandvertrages zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien und der NÖ Museum Betriebs GmbH wird nun ein Generalplaner ausgeschrieben, um die notwendigen Sanierungen und Adaptierungen mit einem Volumen von 4 Millionen Euro umzusetzen“, wie das Land NÖ am Donnerstag verlautbarte.

Soll für Niederösterreichs Kulturhauptstadt 2024 renoviert, adaptiert und neu bespielt werden: die ehemalige Synagoge in St. Pölten. Foto: Marius Höfinger
Marius Höfinger

Das Land Niederösterreich und die Stadt St. Pölten stellen die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung; darüber hinaus laufen konstruktive Gespräche über eine finanzielle Unterstützung durch den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus. Ab dem Frühjahr 2024 wird das einmalige Kulturdenkmal einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

„Es ist ein wichtiges Signal für die Zukunft, das Land und Stadt hier gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien – bei deren Vertretern ich mich für die konstruktiven Verhandlungen bedanken möchte – aussenden. Wir übernehmen geschichtliche, kulturelle sowie baukulturelle Verantwortung für ein einzigartiges Bauwerk und ermöglichen die Vermittlung und damit die Diskussion über jüdische Kultur und jüdisches Leben, und zwar in allen, auch den mit Ermordung und Vertreibung verbundenen, Aspekten“, betont dazu Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Die ehemalige Synagoge St. Pölten war in den vergangenen Jahrzehnten für die Öffentlichkeit nur eingeschränkt geöffnet. Mit Beginn des Jahres 2024 soll das Jugendstiljuwel des Architekten Theodor Schreier aus dem Jahr 1913 in neuem Glanz erstrahlen. Sowohl der Chor als auch das Kantorhaus sind dann barrierefrei zugänglich. Die Sanierung und Adaptierung des denkmalgeschützten Gebäudes erfolgt gemäß den gültigen Standards der Baudenkmalpflege und mit finanzieller Unterstützung des Bundesdenkmalamts.

„Die Synagoge war religiöses und kulturelles Zentrum der jüdischen Gemeinde in St. Pölten. Das Gebäude zu einer Begegnungsstätte für spätere Generationen zu machen, ist ein sehr wichtiges Signal. Es freut mich sehr, dass die Israelitische Kultusgemeinde Wien als Bestandgeber und die NÖ Museum Betriebs GmbH als Betreiberin der Sanierung sowie des Museumsbetriebs gemeinsam zu einem langfristigen und unentgeltlichen Bestandvertrag gefunden haben, der die Grundlage für das nun gestartete Projekt darstellt“, meint Oskar Deutsch, Präsident der IKG Wien.

Die Adaptierung der Räumlichkeiten und die verbesserte Ausstattung ermöglichen eine Erweiterung des Vermittlungsangebots und machen die ehemalige Synagoge gemeinsam mit Kunstinstallationen, Medienstationen und einem jüdischen Kunst- und Kulturfestival zu einem lebendigen Raum. Die Einrichtung wird das kulturelle Leben in der Stadt St. Pölten mitprägen und einen Verbindungspunkt zwischen Kulturbezirk und Innenstadt bilden.

„Gerade auch als Historiker freue ich mich sehr über die Renovierung, Adaptierung und vor allem Bespielung dieses besonderen Hauses. Die ehemalige Synagoge war für mich immer ein Ort, an dem durch die Vernichtung der jüdischen Gemeinde die Auswirkungen der Diktatur und unsere damit einhergehende Verantwortung sowie auf der anderen Seite auch der Segen unserer demokratischen Freiheiten am anschaulichsten greifbar werden. Eine Institution, die es schafft, Geschichte, Gedenken und Gegenwart gerade auch für junge Menschen zu verbinden, kann weit über St. Pölten hinaus große Bedeutung erlangen“, sagt dazu St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler.

Neben dem Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich wird die ehemalige Synagoge als eigenständige Institution Teil der NÖ Museum Betriebs GmbH. Der Betrieb wird in enger Kooperation mit dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs (INJOEST) geführt.

Dessen Direktorin, Martha Keil, erklärt: „Wir richten kein Museum ein, wir lassen den Raum selbst erzählen. Geschichte – Gedenken – Gegenwart, diese drei Aspekte werden die Leitmotive sein, um die Gründung, Blüte und Vernichtung der jüdischen Gemeinde in St. Pölten zu vermitteln. Wir schaffen einen Ort, der sich mit jüdischer Kultur und unserer gemeinsamen Geschichte auseinandersetzt.“ Mit der ehemaligen Synagoge geht nun nach dem kürzlich vorgestellten Neubauprojekt „KinderKunstLabor“ die zweite Kulturinstitution mit Start 2024 in die Umsetzungsphase.