Erstellt am 16. Februar 2015, 05:05

von Thomas Jorda

Alfred Šramek: Liebling des Publikums. Der Weinviertler Bassbariton Alfred Šramek hat diese Woche ein großes Jubiläum. Der Erzkomödiant feiert als Bartolo in Rossinis „Barbier von Sevilla“.

Alfred Sramek als Quacksalber Dulcamara in Gaetano Donizettis »L'elisir d'amore«.  |  NOEN, Foto: Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Vierzig Jahre Wiener Staatsoper. Das klingt nach Festungshaft. Aber nur, wenn man am Singen wenig Freude und keinen Bezug zur Oper hat. Was bei Alfred Šramek nicht der Fall ist. Wenn er am Montag dieser Woche zum 172. Mal als Bartolo in Gioacchino Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ auf der Bühne des Hauses am Ring steht, dann mit Freude und Stolz. „Ich bin im angeblich besten Opernhaus der Welt die Nummer eins im Ensemble und habe noch eine Stimme wie vor zwanzig Jahren. Nicht schlecht für einen Hausmeisterbuben!“

Die große internationale Karriere geht ihm nicht ab. „Natürlich hätte ich auf der ganzen Welt den Rigoletto, den Posa (in „Don Carlo“) oder den Ochs (im „Rosenkavalier“) singen können. Aber das hält die Stimme nur ein paar Jahre aus. Was würde ich jetzt machen?“

Beinahe in die Arme von Gevatter Tod getrieben 

Lieber steht er auf der Bühne, „ich werde singen, bis ich tot bin“! Das tut er trotz schwerster Erkrankungen noch vor wenigen Jahren, die ihn beinahe in die Arme von Gevatter Tod getrieben hätten. Aber das ist ausgestanden, auch wenn er dreimal in der Woche zur Dialyse muss.

Auf die Welt gekommen ist Alfred Šramek am 5. April 1951 in Mistelbach, aufgewachsen ist er neben dem nahen Schloss Loosdorf, wo der Vater als Kutscher arbeitete.

Das Verhältnis zu den Schlossherren ist, gelinde gesagt, unterkühlt. „Meine Mutter, die aus dem Südburgenland stammte, hat zum alten Grafen Piatty gesagt: Ich bin katholisch, aber wenn ich noch lange hier bleibe, werde ich Kommunistin.“

Die Familie zog nach Wien, wo die Mutter als Hausmeisterin und der Vater als Hilfsarbeiter tätig waren. Klein-Alfred setzte es – gegen den Rat der Lehrerin – durch, mit zehn Jahren die Aufnahmeprüfung bei den Mozart-Sängerknaben zu machen. „Vier Wochen später bin ich schon auf Tournee gefahren.“

Den ehrsamen Beruf des Tuchhändlers erlernt 

Der Gesang und vor allem die Oper ließen Alfred Šramek nicht mehr los, obwohl er dem Vater zuliebe auch das ehrsame Handwerk eines Tuchhändlers erlernte. Seit 1975 ist er Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, seit 1988 Kammersänger (der jüngste damals), seit 2011 offiziell Pensionist, aber mit ASVG-Vertrag als Sänger, seit 2014 Ehrenmitglied des Hauses.

Seit 1982 lebt Šramek wieder im Weinviertel, in einem alten Winzerhaus in Lanzendorf. Dort residiert er „meist wie ein Fürst, allein auf 10.000 Quadratmetern“, manchmal weint er um seine vor drei Jahren verstorbene Frau Gabriele, ist stolz auf die Töchter Katharina (selbst Sängerin) und Johanna. Und träumt von den Pferdekutschen. „Früher bin ich überall im Weinviertel so unterwegs gewesen. Dafür bin ich jetzt zu krank. Und hab’ mir vier Traktoren gekauft.“