Votum für das „Poly“. Polytechnische Schulen / Auslaufmodell oder wichtiger Baustein in der Berufsvorbereitung? Pädagogen und Wirtschaft überzeugt vom „Poly“.

Erstellt am 24. März 2013 (13:36)
Von Madeleine Kopitschek

Die Diskussion um die Abschaffung der Polytechnischen Schule (PTS) gibt es seit Jahrzehnten, Sozialpartner haben die Debatte aktuell wieder aufgebracht. Bildungspolitiker betonen aber, dass die PTS als Vorbereitung auf das Berufsleben wichtig ist.

Die NÖN befragte in der Vorwoche ihre Leser, ob das Poly noch zeitgemäß sei. Viele der Befragten betonten, dass man in der PTS viele Einblicke in verschiedene Berufssparten bekommt und in den Schnuppertagen die Arbeit in Betrieben kennen lernen kann. Die NÖN-Online-Umfrage brachte ein ähnliches Ergebnis: 83,4 Prozent halten das Poly für zeitgemäß. Dennoch stellt sich die Frage – soll die PTS abgeschafft werden oder nicht? NÖ-Landesschulratspräsident Hermann Helm sieht eine Abschaffung als kontraproduktiv und würde lieber die PTS der Berufsschule zuordnen.

Laut Christoph Meinhard, Pädagoge an der PTS Horn, hat das Poly seit seiner Einführung in den 60er-Jahren ein Imagepro-blem: „Die heutige PTS hat mit dem polytechnischen Lehrgang von damals nichts mehr zu tun. Leider wissen viele Leute gar nicht, was wir eigentlich machen.“

Eva-Maria Rester, Direktorin der PTS Zwettl, spricht ein anderes Problem an – die Gesellschaft glaube noch immer, dass gute Schüler höhere und schwächere eher die Polytechnischen Schulen besuchen: „Gerade in der Diskussion um den Facharbeitermangel sehen wir, wie wichtig eine Lehre ist. Wir haben eine Vielzahl von offenen Lehrstellenangeboten, die durch unsere Schüler gar nicht abgedeckt werden können.“

Dass das Poly ein verlorenes Jahr und überflüssig wäre, streitet Augustine Hochbichler, Direktorin der PTS St. Valentin, ab: „Da wir eng mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, wissen wir, wo wir ansetzen müssen, und fördern unsere Schüler.“ „Mit der Einführung der Fachbereiche ist es der PTS möglich, einen überaus modernen und unverzichtbaren Schultyp anzubieten. Jeder Schüler hat die Möglichkeit, sich einen Fachbereich auszusuchen, um optimal auf Berufsschule und Job vorbereitet zu werden“, verteidigt Gerlinde Artner, Direktorin der PTS Zistersdorf, das Poly.

Auch Wirtschaftsexperten schätzen die PTS, wie etwa Helmut Schiefer, Wirtschaftskammerobmann in Amstetten: „Wir brauchen dringend Fachkräfte, und das erste Glied in der Kette ist dazu die PTS.“

DIE NÖN-ONLINE-UMFRAGE