Maria Happel übernimmt Leitung der Festspiele Reichenau

Maria Happel (58) wird neue Chefin der Theater Reichenau (ehemals Festspiele Reichenau). Die Schauspielerin, seit dem Vorjahr auch Leiterin des Wiener Max-Reinhardt-Seminars, wurde am Donnerstag in Wien als Nachfolgerin von Renate und Peter Loidolt vorgestellt. Das Ehepaar hatte vor wenigen Wochen seine Funktionen zurückgelegt. Den Spielplan für ihren ersten Sommer in Reichenau im kommenden Jahr will Happel im Herbst präsentieren. Ihr Vertrag läuft zunächst auf drei Jahre.

Aktualisiert am 01. Juli 2021 | 14:44
Schauspielerin Maria Happel folgt auf das Ehepaar Loidolt.
Schauspielerin Maria Happel folgt auf das Ehepaar Loidolt.
Foto: APA/ERWIN SCHERIAU

Zudem wurde bekanntgegeben, dass das Land Niederösterreich in Form der NÖ Kulturwirtschaft GesmbH (NÖKU) beim Festival miteinsteigen und künftig gemeinsam mit der Gemeinde Reichenau als Träger fungieren wird. Außerdem soll es zu Kooperationen mit dem Max-Reinhardt-Seminar und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien kommen.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte in einem Pressegespräch, dass damit die Weichen für eine "nachhaltige Absicherung des Theaterstandortes Reichenau" und eine "stabile Organisationsstruktur" gestellt seien. Renate und Peter Loidolt zollte sie Respekt und Anerkennung für die "Erfolgsgeschichte" der Festspiele Reichenau und legte Wert auf Fairness gegenüber dem Lebenswerk des Ehepaares.

Maria Happel wurde für drei Jahre - mit Option auf Verlängerung für weitere zwei Jahre - zur künstlerischen Leiterin bestellt. Die operative Geschäftsführung übernimmt interimistisch Paul Gessl, der diese Funktion auch bei der NÖKU innehat.

Die neuen Positionen der Geschäftsführung einer noch zu gründenden Gesellschaft werden "in Kürze" ausgeschrieben. Das jährliche Gesamtbudget wird - angelehnt an die Jahre 2017 bis 2019 - mit 3,5 Millionen Euro beziffert: Gessl stellt ein "solides organisatorisches und wirtschaftliches Fundament" in Aussicht. Der Subventionsbeitrag des Landes NÖ wird mit 463.000 Euro angegeben.

Happel, die in Reichenau schon oft mitgewirkt und auch inszeniert hat, bringt für ihr künftiges Konzept einige konkrete Vorstellungen im Sinne einer "Verbindung zwischen Jung und Alt" mit, aus der Neues entstehen könne. So schweben ihr vom Repertoire her etwa Frank Wedekinds "Frühlingserwachen" vor, Tschechows "Möwe" oder Bernhards "Alte Meister", wobei studierende Nachwuchstalente und renommierte Künstlerinnen und Künstler zusammenwirken sollen.

Kamingespräche mit Künstlern und Meisterklassen aus der Regieabteilung des Reinhardt-Seminars sowie ein kleines Filmfestival sind ebenfalls angedacht. Auch im Bereich Literatur seien den Möglichkeiten "keine Grenzen gesetzt", so Happel. 

"Es ist ein bisschen wie eine Fügung", meinte Happel, die in Reichenau den Ensemblegedanken hochhalten will. Ein "fixes Ensemble" werde nicht möglich sein, aber doch ein personeller "Pool". Mit "fast jugendlichem Leichtsinn, abgefedert durch jahrelange Erfahrung" startet sie in ihren neuen Aufgabenbereich. 

Erfreut über die Entscheidung zeigte sich Johann Döller (ÖVP), Bürgermeister von Reichenau, der sich für die Region positive Auswirkungen erhofft. Auch Ulrike Sych, Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst, sieht einen "richtungsweisenden Schritt". Happel stelle in ihrer künstlerischen Vielseitigkeit das "gespiegelte Max-Reinhardt-Seminar" in einer Person dar. 

"Theater Reichenau" sei derzeit noch ein "Arbeitstitel", stellte Gessl klar. Die endgültige "Markenbezeichnung" wird noch zu finden sein. "Festspiele Reichenau" sei jedenfalls kein eingetragenes Markenzeichen.