Schönste Form, Musik zu hören. Erwin Ortner (Bild) hat das Chorsingen zum Beruf und seiner großen Berufung gemacht.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 01. Juni 2015 (05:00)
NOEN, asc.at

Er ist der Größte. Was das Chorsingen betrifft. Erwin Ortner, Niederösterreicher, Universitätsprofessor für Chorsingen und jahrlang Rektor der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, hat 1972 den Arnold Schoenberg Chor gegründet.

Orthner: "Jeder kann und muss singen"

Das ist einer der besten Chöre weltweit, der regelmäßig mit Nikolaus Harnoncourt musiziert und seit vielen Jahren bei den größten Festivals der Welt zu Gast ist. Jüngst war er beim Finale des Eurovision Song Contest zu erleben.

Doch Ortner spielt nicht nur in der obersten Klasse, er bemüht sich auch um die Förderung von jungen und ambitionierten Chören. Denn so meint er, „jeder Mensch kann singen, jeder Mensch muss singen. Das ist für Geist und Herz notwendig“. Und das Chorsingen, fügt Ortner hinzu, ist ganz besonders wichtig. „Dabei erleben wir die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen besonders tief.

Ich vergleiche das gerne mit einer Seilschaft auf dem Berg. Keiner darf zu schnell sein, keiner zu langsam, keiner zu laut, keiner zu leise, wir hören aufeinander, atmen im selben Rhythmus, drücken gemeinsam unsere Gefühle aus.“ Vor allem aber „ist die schönste Form, Musik zu hören, sie selbst zu machen“.

Intelligente, effiziente Strukturen geschaffen 

Um das zu fördern, wurde im Jahr 2005 die Chorszene Niederösterreich gegründet. Ziel war es, die vielen Choraktivitäten im Land besser zu koordinieren und dafür intelligente, effiziente Strukturen zu schaffen. Denn viele Menschen singen im Land, insgesamt sind es 50.000 Chorsängerinnen und -sänger in 1.400 Chören und Vokalensembles.

Sie zu fördern und zu vernetzen, die Qualität zu heben, das alles hat sich die Chorszene Niederösterreich vorgenommen und bisher mit großem Erfolg erfüllt. Die besten Chorleiter und Chorleiterinnen des Landes arbeiten hier zusammen. Für die Koordination sind Gottfried Zawichowski und Heinz Ferlesch zuständig. Im Chorsenat sitzen neben Erwin Ortner noch Gerda Hondros, Otto Kargl, Claudia Kettenbach, Johannes Prinz und Wolfgang Sauseng.

Chöre werden zum Beispiel dadurch gefördert, dass sie Gutscheine für die Arbeit mit diesen besonderen Experten erhalten und sich weiterbilden können. „Ich stelle zum Beispiel für einen Chor vierzig Unterrichtsstunden zur Verfügung“, sagt Erwin Ortner, „das ist schon viel Zeit.

Zehn Jahre Chorszene am 6. Juni

Wenn ich einen Chor betreue, machen wir auch Exkursionen und besuchen andere Chöre, von denen meine Schützlinge viel lernen können.“ Um es auf den Punkt zu bringen, zitiert Ortner seinen Freund Harnoncourt. „Der sagt immer, er kenne keine Mozartpflege, sondern nur Altenpflege: Feuer für Musik entwickeln wir nur, wenn es in uns brennt.“

Wie sehr es längst brennt, zeigt etwa die Gründung des von Oliver Stech geleiteten Landesjugendchores Niederösterreich, der bei großen Projekten immer wieder zu hören ist.

Am 6. Juni feiert die Chorszene den zehnten Geburtstag mit einem großen Fest in Grafenegg. Um 16.30 Uhr wird auf Plätzen im Schlosspark gesungen, um 19 Uhr führen 500 Sängerinnen und Sänger mit Publikumschören im Wolkenturm Carl Orffs „Carmina Burana – Cantiones Profanae“ auf.