„12 years a slave!“. Abt Columban Luser (Stift Göttweig) über alte und neue Formen, wie der Mensch versklavt werden kann

Erstellt am 16. März 2014 (06:00)
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Unter diesem Titel läuft derzeit in den Kinos ein absolut sehenswerter Film des bekannten Regisseurs Steve McQueen, der jüngst in Hollywood mit drei Oscars ausgezeichnet wurde.

Das Drehbuch zu diesem Film (von John Ridley) basiert auf den Memoiren von Solomon Northup, der – 1808 in New York geboren – als freier Bürger mit seiner Familie lebte, von Sklavenhändlern als „nigger“ gekidnappt und an einen sadistischen Plantagenbesitzer in Louisiana verkauft wurde. Dort führte er traumatische 12 Jahre lang einen Kampf ums Überleben („Ich will nicht überleben, ich will leben!“), bis zu seiner abenteuerlichen Freilassung.

Der Film ist ein erschütterndes Dokument vom Umgang mit Menschenwürde und von der Schizophrenie einer Zeit, als ein Mensch anderer Hautfarbe wie eine Ware behandelt wird – völlig entrechtet, der Willkür und Laune ausgeliefert, ausgebeutet, ausgepeitscht, vergewaltigt, erniedrigt, entwürdigt.

Ich habe diesen Film im Cinema Paradiso in St. Pölten gesehen. Tagelang sind mir die Dialoge und Bilder nicht aus dem Kopf gegangen. Ich war völlig aufgewühlt.

Seit diesem Kinoabend gehe ich einmal mehr der Frage nach: Und wie steht es heute um die Würde des Menschen? Hat sich an dieser Art von Schizophrenie, die wir da oder dort antreffen, etwas geändert?

Neben die alte Form von Sklaverei treten viele moderne Formen, die nicht weniger die Würde des Menschen mit Füßen treten – wo bewusst Systeme der Abhängigkeit geschaffen werden, in denen Menschen unterbezahlt oder hochbezahlt ausgebeutet, ausgepresst und ruiniert werden etc.

„Ich widme diesen Preis allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben, und den 20 Millionen, die noch heute darunter leiden“, sagte McQueen in seiner Dankesrede nach der Oscar-Verleihung. Ein wertvoller Dienst an der Würde des Menschen!