Erstellt am 10. April 2018, 01:12

von Thomas Jorda

Das Leben ist nicht immer freundlich. Thomas Jorda über das wenig erfreuliche Schicksal von Besatzungskindern, das im Haus der Geschichte mutig thematisiert wird.

Die Älteren unter uns kennen ihn noch, diesen Helmut Köglberger. 1965 spielte er zum ersten Mal in der Fußballnationalmannschaft, im Jahr 2008 wurde er zum LASK-Spieler des Jahrhunderts gewählt. Keine schlechte Karriere für einen Menschen dunkler Gesichtsfarbe.

Nein, Köglberger, war kein Migrant, sondern Kind eines afroamerikanischen US-Besatzungssoldaten, den er nie kennengelernt hatte. Die Probleme seiner Mutter und seine eigenen Schwierigkeiten hat er später tapfer thematisiert.

Geschichte wird dann greifbar, wenn sie an konkreten Schicksalen festgemacht wird. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind – neben vielen anderen Aspekten – auch die Zeit der „Kinder des Feindes“. Mindestens 30.000 Besatzungskinder wurden gezeugt, in Liebe genauso wie als Folge von Gewalt. Diskriminiert wurden sie fast immer und stigmatisiert waren sie meist. Ihre Schicksale wurden erst langsam und spät zum öffentlichen Thema.

Im Haus der Geschichte in St. Pölten kommen im Rahmen des Forums „Erzählte Geschichte“ nun vier Kinder sowjetischer Besatzungssoldaten zu Wort, um über ihr Leben zu reden. Das ist mutig und fordernd. Denn nicht alle konnten sich den Frust von der Seele kicken. Und das Leben ist komplizierter, als es in unseren Schulbüchern meist zu lesen steht.