Denn das Schicksal setzt den Hobel an …. Thomas Jorda über Ferdinand Raimund, der immer noch viel zu selten gespielt wird, aber in Gutenstein gleich zweifach eine Heimat gefunden hat.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 01. Mai 2018 (01:21)

Sie meinen es ja nicht böse, die Germanisten. Aber gut gemeint ist selten gut. Wie am Beispiel Ferdinand Raimunds zu erleben, den eben jene Germanisten gnadenlos zur Spezies des Alt-Wiener Volkstheaters rechnen.

Schlimmeres kann einem Schriftsteller kaum passieren – wer will noch etwas vom Alt-Wiener Volkstheater wissen? Eben.

Das Ungerechte dabei ist, dass Raimund mit den bedeutendsten seiner insgesamt acht Theaterschöpfungen absolute Weltliteratur geschrieben hat, auch wenn die Welt viel zu wenig davon weiß.

Feinschmecker des Theaters vergleichen ihn in seiner dramaturgischen Macht und seiner Sprachgewalt nicht zu Unrecht mit Shakespeare. Trotzdem wird er selbst in Österreich viel zu selten gespielt.

Zum Glück gibt’s die Gemeinde Gutenstein im Piestingtal. Dort, wo der 1836 in Pottenstein verstorbene Meister seine letzte Ruhe gefunden hat, wird er seit nunmehr 25 Jahren sommers mit den Raimundspielen geehrt. Heuer steht sein letztes Werk auf dem Spielplan, „Der Verschwender“.

Und es ist, als hätte Raimund darin mit dem „Hobellied“ in unsere Zeit geschaut, unsere Zeit beschrien: „Da ist der allerärmste Mann dem Andern viel zu reich. Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alle gleich.“