Die Mühen der Ebenen nicht gescheut. Thomas Jorda über die Seefestspiele von Mörbisch und das Phänomen des blaugelben Theaterfestes. Der Vergleich macht sicher.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 07. Juni 2017 (03:00)

Klaus Merkl, einst Geschäftsführer des NÖ Tourismus und 2012 gestorben, hatte zum Phänomen Theatersommer immer eine deklarierte Meinung. Mit der machte er sich bei den heimischen Theatermachern wenig Freunde. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er ebendiesen Theatersommer sofort gegen die Festspiele von St. Margarethen und Mörbisch eingetauscht. Hundertausende von Gästen an nur zwei Orten, der Gedanke daran ließ das Herz des Touristikers höherschlagen. Damit war deutlich mehr Geschäft zu machen als mit den vielen oft kleinen Spielstätten.

Ob er heute noch so denken würde? Das Phänomen Sommertheater hat sich in Niederösterreich gefestigt und bringt brav Touristen ins Land; die burgenländischen Spielstätten sind Hochrisikophänomene geworden, mit deutlich geringer werdendem Publikum.

Der erzwungene Abgang von Gerald Pichowetz als Noch-gar-nicht-Intendant von Mörbisch, ist ein Armutszeugnis der Kulturpolitik im Burgenland. Wer es wissen wollte, wusste, was man an Pichowetz hat oder eben nicht hat. Jetzt die Reißleine zu ziehen ist peinlich.

In Niederösterreich hat man die Mühen der Ebene nicht gescheut und mit dem Theaterfest eine gar nicht mehr so kleine, vor allem aber feine Marke geschaffen. Allfälliger Neid aufs Burgenland ist Vergangenheit.