Die Waffen nieder und die Worte hoch!. Michaela Fleck über die alte Frage nach der Politik in der Kunst und neue Antworten zwischen St. Pölten und Berlin und Krems und Spitz.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 01. November 2016 (01:05)

Sie ist fast so alt wie die Kunst selbst. Und sie ist noch immer dieselbe, wenn auch vielleicht vor anderen Kulissen. Die Frage nämlich, ob sich das Theater um die Politik kümmern soll. Und ob die Literatur über die Probleme in der Welt schreiben soll.

Wenn man genau hinschaut, tun beide das schon längst. Bertha von Suttner, wenn sie ein Pamphlet für den Frieden schreibt. Thomas Bernhard, wenn er im „Heldenplatz“ die Österreicher für den Anschluss an Hitler-Deutschland marschieren lässt. Robert Menasse, wenn er nach Brüssel geht und mit einem Plädoyer für das Europäische Projekt zurückkommt. Franzobel, wenn er einen Roman über ein 200 Jahre altes Flüchtlingsdrama schreibt, das genauso gut im heutigen Mittelmeer spielen könnte. Dann steht sie – wie in vielen anderen Beispielen auch – längst auf den Bühnen und in den Büchern, die Politik.

Und wenn das Berliner Ensemble Brechts „Flüchtlingsgespräche“ im Repertoire spielt. Wenn das St. Pöltner Landestheater seine neue Spielzeit mit Ilja Trojanows Flüchtlingsgeschichte beginnt. Und wenn die Literaturtage in Krems und Spitz ihre Gäste über Kolonisten, Globalisten & Zentralisten reden lässt, dann gehört das genau dort hin. Und dann gehört das unbedingt auch gesehen und gehört!