Erinnerung auf Abruf: Mit dem Handy ins KZ. Michaela Fleck über einen neuen Zugang zu alten Gräueln: eine App, die auch durch Niederösterreichs Konzentrationslager führt.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 14. August 2018 (03:00)

Wissen fängt bei der Vermittlung an. Erinnern, oder besser: Nicht-Vergessen erst recht. Das gilt für eine Museumsführung genauso wie für eine Geschichtsstunde. Und das hört beim obligaten Oberstufen-Ausflug nach Mauthausen noch lange nicht auf.
Weil: Konzentrationslager gab es auch anderswo. 49 Außenlager zählt das Mauthausen Komitee in ganz Österreich, elf davon allein in Niederösterreich.

In Hirtenberg, wo heute Gestrüpp über die Baracken wächst, in denen 1944/45 402 Frauen zwischen Stacheldraht und Sturmbannführern untergebracht waren und in den Gustloff-Werken Zündhüte fertigen und Patronenhülsen einfetten mussten. In St. Aegyd, wo heute Einfamilienhäuser auf der Wiese stehen, auf der 1944/45 303 „Schutzhäftlinge“ Wege bauen, Bäume schlagen und Holz hacken mussten. Oder in Wiener Neustadt, wo heute noch die „Serbenhalle“ steht, in der bis zu 1.200 Gefangene erst Raketen montierten, später Marine-Schiffe bauten.

All das, die Orte, die Daten, die Täter und die Opfer, gibt’s seit vergangener Woche auch am Smartphone als App, mit Karte, Fotos, Texten und Interviews mit Überlebenden. Zum Vermitteln, immer und überall und für Alt und Jung. Und vor allem: zum Nie-Vergessen!