Kunst kostet – aber sie ist es meist wert. Thomas Jorda über die aktuellen Vorwürfe gegen die Wiener Staatsoper. Und was die Reaktionen über die Stimmung im Land aussagen.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 19. Juni 2018 (02:16)

Bashing in Sachen Kunst ist ein beliebter Volkssport. Dort, wo besonders viel Geld hinfließt, haut man gerne hin und tritt begeistert nach. Das erleben aktuell Dominique Meyer und die Wiener Staatsoper.

Im aktuellen Rechnungshofbericht wird dem Flaggschiff der österreichischen Musik vor allem vorgeworfen, Karten im Vorhinein an Kartenbüros und Interessengruppen abzugeben. Die wiederum würden sie teurer verkaufen und damit auf Kosten der Oper unverdient Gewinne machen. Jetzt spielt’s High Noon, vor allem in den Boulevardmedien.

Monsieur Meyer sieht den Fall natürlich ein bisserl anders. Aber es führt zu weit, das im Detail zu diskutieren. Fest steht, dass die Angelegenheit vermeidbar gewesen wäre, aber kein Einzelfall ist. Denn überall, ja auch in Niederösterreich, werden Eintrittskarten nicht immer zum Vollpreis verkauft. Für möglichst volle Häuser ist man oft zu Rabatten bereit.

Allfällige Missstände, wie sie anscheinend in der Staatsoper herrschen, sind abzustellen. Aber die allgemeine Begeisterung am Skandal, wenn er einer ist, zeigt eine üble Stimmung im Land. Dass Kunst kostet, manchmal sehr viel, ist keineswegs selbstverständlich. Heute weniger denn je. Es wird immer wichtiger, den Wert der Kunst (und damit den Sinn entsprechender Kosten) zu vermitteln.