Erstellt am 28. Dezember 2016, 01:17

von Michaela Fleck-Regenfelder

Von bösen Zungen und ungeheuren Wörtern. Michaela Fleck über neue und alte Unworte und die Frage, ob man nicht einmal ein gutes Wort des Jahres statt all der fiesen küren sollte.

Wenn man sie von der Seite betrachtet, könnten sie ebenso gut in J. K. Rowlings nächstem Drehbuch mitspielen – und zwar im Lager der dunklen Fabelwesen. Weil: Die Wörter des Jahres werden nicht nur immer länger, sie werden auch immer ungeheuerlicher.

„Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“ ist, sagt die Grazer Forschungsstelle für Österreichisches Deutsch (auch eine hübsche Wortgruppe), das Wort des Jahres 2016. Und das sei, so die Begründung, „sowohl inhaltlich als auch aufgrund seiner Länge ein Sinnbild für die politischen Ereignisse des Jahres“. Schlimm genug. Nur: Aussprechen kann das keiner mehr. Und mag das auch keiner mehr. Dagegen kommen Platz 2 und 3 auf der Wörter-Liste des Jahres geradezu zahm daher: „Bundesheinzi“ und „arschknapp“. Und das Unwort des Jahres 2016 ist sogar noch kürzer: „Öxit“.

Schön sind die alle nicht. Nett auch nicht. Und irgendwie fragt man sich alljährlich, wozu man die braucht, die Wortungeheuer des Jahres. Und ob man nicht lieber mal eine Wortschönheit zum Wort des Jahres macht. Nämlich zu dem des nächsten Jahres. „Miteinander“ zum Beispiel. „Zuhören“ zum Beispiel. Oder auch „Mitreden“…