Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Über Quarantäne, Lockdown und Livestream im Pestjahr 1713.

Von Abt Maximilian Heim OCist. Erstellt am 13. Januar 2021 (06:42)

Im hochinteressanten aktuellen Blog „Notizen zur Hausgeschichte“ des Heiligenkreuzer Priors P. Meinrad Tomann OCist findet sich folgender Hinweis auf ein Buch von P. Dr. Wilhelm Anton Neumann (1837–1919), einem Heiligenkreuzer Theologieprofessor an der Universität Wien, der 1899 ihr Rektor wurde: Im Pestjahr 1713 verließ Kaiser Karl VI. die Residenzstadt Wien nicht, sondern zog sich in das Schloss Laxenburg zurück, um nicht angesteckt zu werden.

Man könnte also von einer Art „Selbst-Quarantäne“ sprechen. Eine andere Geschichte in diesem Buch berichtet, dass zwei Zisterzienser von Heiligenkreuz für die Seelsorge „exponiert“ – das heißt extra bestimmt – wurden, während das Kloster selbst seine Türen verschloss. Man könnte neudeutsch vom „Lockdown“ sprechen. Schließlich wurde in der damaligen Heiligenkreuzer Pfarrkirche neben dem Eingang ein großes Fenster herausgebrochen, damit man von außen dem Gottesdienst beiwohnen konnte. Das war eine Art „Livestream“ im Freien, um Frischluft und Abstand zu garantieren.

Lockdown, Quarantäne und Livestream sind auch in unseren von der Corona-Pandemie gezeichneten Tagen hochaktuell. Täglich werden aus dem Stift Heiligenkreuz die Hl. Messe, das Chorgebet der Mönche und sogar der Krankensegen live übertragen. Es sind also keine Sendungen „aus der Konserve“, sondern aktuelles Gebet der Mönche, die sich gerade in schweren Zeiten der Verpflichtung der Fürbitte für die anderen umso bewusster sind.

Deshalb haben sie seit dem Ausbruch der Pandemie wenigstens einmal im Monat die „Corona-Prozession“ zur berühmten Pestsäule im Innenhof des Stiftes eingeführt. Diese Dreifaltigkeitssäule wurde 1736 bis 1739 vom Heiligenkreuzer Familiaren und Bildhauer Giovanni Giuliani aus Dankbarkeit für das Ende der Pest errichtet. Eine solche Haltung der Fürbitte, wie auch der Dankbarkeit für die Überwindung der Krise, können wir so aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft lernen.