Blaue Auflagen. Thomas Hofer, Politik-Berater, über Geschenke der Freiheitlichen an die politischen Mitbewerber.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 01. November 2016 (00:24)

Dass die FPÖ in Sachen Themenkonjunktur und Umfragedaten seit gut zwei Jahren auf der Erfolgswelle schwimmt, ist keine Nachricht mehr. Auch wenn es mit Christian Kern, SPÖ, und Sebastian Kurz, ÖVP, zwei Politiker gibt, die ihren Parteien in einem emotionalen Nationalratswahlkampf noch einen gehörigen Schub verpassen können, wird es ein schwieriges Unterfangen, der FPÖ Platz 1 streitig zu machen.

Zu Wahlhelfern für Kern und Kurz wird aber paradoxerweise gerade die FPÖ. Selbst hat man lange von Fehlern der beiden Regierungsparteien profitiert, ohne dabei an Eigenleistung daraufzulegen. Nun aber beginnen die Freiheitlichen, Geschenke zu verteilen. Beispiele gefällig?

Nach der Abstimmung über den Abgang der Briten aus der EU verlangte die FPÖ-Spitze unvorsichtigerweise ein ähnliches Referendum in Österreich. In der Neuauflage des Bundespräsidentschaftswahlkampfs ruderte man zwar wieder zurück. Futter für den politischen Mitbewerb war das dennoch. Dann übertrieb man es mit den Verschwörungstheorien rund um die Klebstoffaffäre bei den Wahlkarten. Und auch die Forderung, Österreich solle der Visegrád-Gruppe beitreten, ist wohl nicht unbedingt mehrheitsfähig.

Zuletzt legte man noch drauf. Parteichef Heinz-Christian Strache sah bei seiner Rede zum Nationalfeiertag einen „Bürgerkrieg“ am Horizont heraufdräuen, postete Passagen der historisch belasteten Kernstock-Hymne, und das kampagnentechnische Hirn der Freiheitlichen, Herbert Kickl, kündigte sich als Redner bei einem fragwürdigen Rechtsausleger-Treffen in Linz an.

Die FPÖ mag für alle diese Aktionen eine Rechtfertigung parat haben. Und jede für sich genommen mag kaum ins Gewicht fallen. Kumuliert allerdings helfen diese Positionierungsschritte der FPÖ nicht, vor allem dann nicht, wenn man gerade den eigenen Kandidaten in die Hofburg bringen und bei der nächsten Nationalratswahl den Kanzleranspruch stellen will. In den vergangenen Jahren arbeitete man daran, auch in der politischen Mitte und in der Mittelschicht zu reüssieren. Auf diesem Weg hat sich die FPÖ gerade ein Stück weit zurückgeworfen. Die Frage ist, ob die politischen Kontrahenten die blauen Auflagen verwerten.