Chaostage in der ÖIAG. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die turbulenten Vorgänge in der OMV.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 20. Oktober 2014 (10:06)

Von Spitzenkräften erwartet man ja so einiges: Erst einmal müssen sie Experten in ihrem Fachbereich sein.

Sie sollen politische Trends und Marktentwicklungen absehen und in die eigene Strategie integrieren können. Sie sollen (international) vernetzt denken. Sie sollen ihren persönlichen Lebenswandel betreffend Vorbild sein. Sie sollen ihre Mitarbeiter führen und motivieren können. Interne Unruhe soll erst gar nicht entstehen.

Und nicht zuletzt sollen sie auch Medienprofis sein, die ihre Position kameragerecht und gewinnmaximierend über die Rampe bringen. Kurzum: Erwünscht ist die Eier legende Wollmilchsau. Dieses Anforderungsprofil steht am Beginn, weil es wahrlich nicht einfach ist, in der heutigen Medienwelt öffentlich Verantwortung zu übernehmen. Kritik setzt meist ein, bevor noch die erste Entscheidung getroffen ist.

Dennoch muss man in diesen Tagen feststellen, dass der medial vermittelte Eindruck, die „da oben“ würden es sich richten, abgehoben agieren, nur in die eigene Tasche wirtschaften, selbst verschuldet ist. Am Beispiel der völlig planlos agierenden Staatsholding und so manchem von ihr verwalteten Betrieb kann man das derzeit exemplarisch zeigen. Was sich in ÖIAG und OMV zuletzt abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung. Schon rund um die Änderungen in der Eigentümerstruktur der Telekom hatte man sich nicht mit Ruhm bekleckert.

Wie derzeit aber Volksvermögen vernichtet wird, ist mit „stümperhaft“ nur unzureichend beschrieben. Die ÖIAG hat in diesen Chaostagen offenbar nichts mehr im Griff. Man startet dort auch gar nicht mehr den Versuch zu kommunizieren. Im ehemaligen Vorzeigeunternehmen OMV spielen sich auf Management-Ebene Szenen ab, gegen die die vorwöchige Wiener Straßenschlacht zwischen Serben und Albanern wie ein Kindergeburtstag wirkt.

Dass es in der Bevölkerung kein Verständnis dafür gibt, dass die kürzlich verlängerten und jetzt gefeuerten Manager noch Millionen Euro kassieren, ist nachvollziehbar. Auch wenn die aktuell Zuständigen in der Bundesregierung persönlich kaum etwas für diese Zustände können: Handeln müssen sie, wenn das zuletzt wiedergewonnene Vertrauen nicht gleich wieder beim Teufel sein soll.