Das Jahr des Präsidenten

Politikberater Thomas Hofer über die – bislang – einzige bundesweite Wahl 2022.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:10
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So kann man sich täuschen: Als Alexander Van der Bellen vor fünf Jahren nach einem geschlagenen Jahr Dauerwahlkampf endlich in die Hofburg einzog, war die heimische Welt noch eine andere. Ja, es gab die disruptiven Ereignisse des Jahres 2015 und einen polarisierenden Wahlkampf mit Nor-bert Hofer. Aber den stressigsten Job der Republik glaubte Van der Bellen wohl nicht anzutreten.

Mit zwei vorgezogenen Nationalratswahlen; gleich vier Regierungskonstellationen seit Amtsantritt; Affären wie jene um Ibiza und Chats oder auch mit Covid konnte der Präsident nicht rechnen. Jetzt allerdings ist klar: Dramatisch ruhiger wird es 2022 und in den folgenden Jahren nicht werden. Die Regierung ist trotz Beteuerungen weiter instabil. Und die kommende Koalitionsbildung wird wohl noch schwieriger als die letzten.

Tritt Van der Bellen nochmals an, werden sich Parteien (abseits der FPÖ) zurückhalten, was die Nominierung eigener Persönlichkeiten angeht. So ein Wahlkampf um die Hofburg bedeutet ja auch finanzielle Verluste. Also wieder Van der Bellen? So sehr er die Gemüter immer wieder beruhigt hat, so sehr er mit lockeren Sprüchen für Erheiterung gesorgt hat: Er wird sich auch bewusst sein, was in den Jahren nach einer Wiederwahl aus der Hofburg kommen muss.

Es braucht angesichts der Verwerfungen in der Bevölkerung, die mit dem Thema Covid nicht beendet sein werden und sich auszuwachsen drohen, eine neue, vorwärtsgewandte Erzählung für dieses Land. Das ist keine kleine Aufgabe – und sicher weiterhin mehr als ein Vollzeitjob.