Dauerkrisenmodus. Über Fußball im Zeichen der Coronakrise.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 22. Juli 2020 (05:44)

Langsam zeichnet sich ab, dass der Wunsch nach einer Rückkehr zur Normalität im Fußball vorerst eine Illusion bleiben wird. Bereits in den ersten Tagen, an denen die Fußballklubs wieder so richtig durchstarteten, poppten zwei Covid-19-Fälle auf, die das Präventions-Konzept des ÖFB gehörig ins Wackeln brachten. Die Bezirkshauptmannschaften in Mödling und Horn verhängten über die Klubs aus Wiener Neudorf und Eggenburg jeweils zwei Wochen Quarantäne. In Wien – so hört man – wird das bisweilen weniger streng gehandhabt, dürfen Spieler wieder zurück in Trainings- und Wettkampfbetrieb, sobald sie ein negatives Testergebnis vorlegen.

Das kann man gut oder schlecht finden, Fakt ist jedenfalls, dass mit der rigoroseren NÖ-Handhabe der in Meisterschaften organisierte Fußball rasch an seine Grenzen stoßen wird. Verschiebungen werden so und so an der Tagesordnung stehen. Die Landesverbände bauen da keine Luftschlösser, bereiten sich genau darauf vor. Zumindest einmal soll in der Meisterschaft 2020/21 jeder gegen jeden spielen. Und danach soll es Aufsteiger und Absteiger geben.

Klar, Argumente gibt es zuhauf, die dieses Szenario als unfair entlarven. Schon alleine, dass die allermeisten Meisterschaftsgruppen mit 14 Klubs gespielt werden, eine Serie also 13 Spiele umfasst, ist „schief“. Die Hälfte der Vereine hätte ein Heimspiel mehr, was sportliche und finanzielle Auswirkungen hätte.

Die Alternative wäre aber, dass die Kugel auf unbestimmte Zeit komplett ruht. Und das hätte eine weit tiefer greifende Zäsur zur Folge. Die Klubs sollten sich also gut überlegen, ob sie zum Erbsenzählen beginnen oder das annehmen, was es in der Corona-Krise gibt.