Blaue Wunder. Thomas Hofer, Politik-Berater, über den Wahlkampf der FPÖ.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 15. August 2017 (00:21)

Über Monate, fast Jahre hinweg schienen die Freiheitlichen unter Heinz-Christian Strache unverwundbar. Nach eher überschaubaren 20 Prozent bei den Nationalratswahlen 2013 setzte man zum Höhenflug an und distanzierte die lahmen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, noch unter alter Führung, in schöner Regelmäßigkeit in den Umfragen.

Seit der Übernahme der ÖVP durch Sebastian Kurz hat sich das geändert. Kurz kopiert freiheitliche Inhalte, bringt diese aber sozial verträglicher über die Rampe. Die FPÖ hat es plötzlich mit echten Gegnern zu tun. Nun rächt sich auch die monothematische Zuspitzung ihrer politischen Agenda: Auch wenn man lange die Themenführerschaft beim Konfliktfeld Nummer 1, der Zuwanderungsfrage, hatte – für eine Kanzlerkandidatur braucht es auch Breite. Und diese wird Strache nicht in ausreichendem Maß zugemessen.

Dazu kommen ungewöhnlich viele Fehler. Strache war zwar die vergangenen Wochen zumeist untergetaucht. Dennoch kamen aus der FPÖ Schlagzeilen – und zwar negative, die nur Sebastian Kurz stärkten. Das Bekanntwerden von antisemitischen Anspielungen durch den außenpolitischen Sprecher Johannes Hübner war so ein Fall, oder das Comeback des rechtlich zwar rehabilitierten, aber imagemäßig weiterhin belasteten Martin Graf. Wer die Freiheitlichen aber zwei Monate vor dem Wahltag abschreibt, handelt voreilig. Denn ab sofort werden Strache und Co. wohl mit dem Mute der Verzweiflung zur Tat schreiten, um jene, die zu Kurz übergelaufen sind, wieder zurückzuholen. Dazu wird man den VP-Chef persönlich ins Visier nehmen und seine erst liberale Positionierung als Integrationsstaatssekretär mit seinen Aussagen seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise konterkarieren.

Ob eine solche Negativkampagne dem türkisen Shooting-Star nachhaltig schaden kann, wird man in den kommenden Wochen sehen. Aber ein blaues Wunder gibt es in jedem Fall: Entweder bleiben die Freiheitlichen bei den zuletzt überschaubaren Umfragedaten picken und müssen froh sein, wenn sie es in die nächste Regierung schaffen. Oder man schafft es doch noch, einen Sinkflug für Kurz einzuleiten.