Der NEOS-Moment. Thomas Hofer, Politik-Berater, über Matthias Strolz und die Sebastian-Kurz-Herausforderung.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 07. Juni 2017 (02:05)

Matthias Strolz ist der Duracell-Hase unter den heimischen Politikern. Unermüdlich trommelt er seine Botschaften und Bilder, nichts scheint ihn zu verdrießen, nicht einmal, wenn das aus seiner Sicht wirklich Hintallerletzte passiert. Konkret: Das Avancement von Sebastian Kurz zum Parteichef der ÖVP. 2013 schafften es die Neos in letzter Sekunde ins Parlament. Sie durften zwar als Nicht-Parlamentsfraktion bei keiner ORF-Debatte ran und drohten gegenüber finanzstärkeren Kombattanten unterzugehen. Aber die politischen Selbstsprengungskräfte von Frank Stronach und die Selbstfesselungskünste des damaligen ÖVP-Chefs Michael Spindelegger beförderten Strolz’ junge und ambitionierte Truppe doch in den Nationalrat.

Sie hatten das Glück des Tüchtigen. Und in den vier Jahren seither erwiesen sich die pinken Abgeordneten mit Strolz an der Spitze als das, was man ihnen zugetraut hatte: Fleißig, umtriebig, zugespitzt, angriffig, oft überdreht.

Aktuell rudern sie aber wieder ums Überleben. Man will – und das ist legitim – auffallen. Also funktioniert man wie weiland Karl-Heinz Grasser einen präsenten Werbeslogan (diesfalls eines Möbelhauses) um und spricht von „Neos-Momenten“, die das Leben eines jeden verändern. Das ist schon o.k., Trommelwirbel gehört dazu. Und einen Neos-Moment wird es im Oktober jedenfalls geben – unklar ist nur noch, in welche Richtung. Aber Sprechblasen dieser Art halten das liberale Pflänzchen nicht im Haus – oder ab Juli: den Containern – am Ring. Was man sich von den Neos auch erwarten könnte: Offensive, was die Positionierungen von Kurz angeht. Er ist der, der sie die politische Zukunft kosten kann. Also wo bleibt die (faire) Differenzierung? Bislang gab es eher wehleidige Kommentare. Als Kurz offenbar mit Sepp Schellhorn einen der auffälligsten Neos-Mandatare mit einem Übertrittsangebot lockte, schrie Strolz Zeter und Mordio. Er verlangte via asozialer Netzwerke, diese unsauberen Praktiken zu unterlassen.

Cooler wäre es irgendwie gewesen, er hätte Kurz zu seinem politischen Geschmack gratuliert und gleichzeitig bedauert, dass es solche Persönlichkeiten in der ÖVP offenbar nicht gibt. Aber politische Gelassenheit gibt’s nicht zu kaufen, gerade nicht in Zeiten wie diesen.